Stromautobahn bald durch Rödermark?

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Das Umspannwerk in Urberach ist einer der Fixpunkte der geplanten Höchstspannungstrassen.

Rödermark – Vier Stromautobahnen durch Deutschland sollen die Energiewende voranbringen. Eine der geplanten Höchstspannungstrassen soll durch Hessen führen und zwar bis ins südhessische Urberach. Noch haben Bürger die Chance ihre Einwände vorzutragen, doch die Frist endet in zwei Tagen. Von Mareike Palmy

Insgesamt sechs Wochen hatten die Deutschen Zeit, Stellungnahme zum Netzentwicklungsplan 2012 abzugeben. Der Netzentwicklungsplan ist das Konzept für die Zukunft der Stromnetze, den die vier Übertragungsnetzbetreiber Tennet, 50Hertz, Transnet BW und Amprion gemacht haben.

Auch die Parteien im Bundestag diskutieren gerade darüber, denn 3800 Kilometer neue Leitungen sind nötig, um den Atomausstieg bis 2020 zu schaffen. Sie sollen etwa Windstrom von der Nordsee nach Süden leiten.

Eine dieser neuen 380-Kilovolt-Trassen soll durch Hessen gebaut werden. Wo genau, darauf haben sich die Netzbetreiber aber noch nicht festgelegt. Fix sind bis jetzt nur die Start- und Zielpunkte: Von Niedersachsen bis in den Rödermarker Stadtteil Urberach. Der genaue Verlauf soll allerdings erst nach den Bürgerkonsultationen festgelegt werden. „Der Bau von neuen Höchstspannungsleitungen ist kein Pappenstiel, also haben wir Netzbetreiber beschlossen, von Anfang an transparent zu sein. Die Bürger können daher jetzt schon zu den Plänen Stellung nehmen“, sagt Andreas Preuss, Sprecher der Betreiberfirma Amprion.

Neue Energiewege bedeuten höhere Stromkosten

Bisher haben allerdings nur 251 Menschen deutschlandweit von ihrem Mitspracherecht Gebrauch gemacht. Den Grund für die niedrige Beteiligung formuliert Preuss vorsichtig: „Wir sprechen hier immer im Konjunktiv. Die Ratlosigkeit herrscht, weil der Streckenverlauf nicht eindeutig festgelegt ist. Wenn man noch nicht weiß, ob künftig eine Stromleitung am eigenen Haus vorbei führt, warum sollte man sich auch jetzt schon aufregen.“

Dass zum Bau dieser Strom-Trasse auch der Bau von acht neuen Umspannwerken gehört und dass die neuen Höchstspannungsleitungen mit 75 Metern Höhe fast doppelt so hoch sind wie ihre Vorgänger, dass die neuen Energiewege für den Verbraucher letztlich höhere Stromkosten bedeuten, davon war bisher selten die Rede. Ebenso wenig, dass neben der geplanten Trasse noch zwei weitere Hochspannungs-Fernübertragungsleitungen verlegt werden, die dann von Urberach aus auf einer neuen Trasse nach Bürstadt verlaufen.

Im Rödermarker Rathaus hat man jedoch keine Bedenken wegen des geplanten Trassenbaus: „Wir haben das Vorhaben als gute Nachricht wahrgenommen“, sagt Bürgermeister Roland Kern überzeugt.

In der Bevölkerung allerdings herrscht Unwissenheit: „Es gab bereits Anrufe und E-Mails von Bürgern. Manche möchten Stellung dazu nehmen, andere haben Fragen, wieder andere befürchten eine Beeinträchtigung des Landschaftsbildes“, weiß Stadtsprecher Heiko Friedrich. Schließlich sind die hochgehängten Stromkabel seit Jahrzehnten umstritten, denn neben der „optischen Landschaftsverschmutzung“ bleibt die Sorge um gesundheitliche Beeinträchtigungen.

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