Stress oder Schnäppchen?

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Schon 1200 pendeln täglich per Mitfahrzentrale nach Frankfurt.

Region Rhein-Main – Raus aus der Haustür, rein in den Stau. Dazu die steigenden Benzinpreise. Nichts kratzt mehr an den Nerven, als Pendeln. Und die Not wird offenbar immer größer. Allein nach Frankfurt pendeln schon jetzt täglich 1200 Menschen per Mitfahrzentrale. Von Christian Reinartz

Jetzt warnt eine Wissenschaftlerin vom Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung vor den gesundheitlichen Auswirkungen des täglichen Pendelns. Das Schlimme ist der Stress! Pendler haben davon mehr als andere Arbeitnehmer. Vor allem dann, wenn sie in den Berufsverkehr in und um Frankfurt geraten. „Dann erleben diese Menschen das als Kontrollverlust“, weiß Soziologin Silvia Ruppenthal vom Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung. Sie ist Pendler-Spezialistin, erforscht seit langem die Pendlerströme und den Einfluss, den ein langer Arbeitsweg auf das Leben der Betroffenen hat.

Dieser Kontrollverlust ist purer Stress“, sagt sie. „Auf der Hinfahrt ist es die Angst, zu spät zur Arbeit zu kommen.“ Abends sei es dann oft die Familie, die zuhause warte. Das Erschreckende: Pendler schätzen ihren Gesundheitszustand in der Regel schlechter ein als andere. Die Beschwerden reichten von Kopfschmerzen, Rückenschmerzen bis hin zu Schlafstörungen. Dazu käme in Zeiten steigender Benzinpreise oft auch ein starker finanzieller Druck. Der ist mittlerweile offenbar so stark, dass immer mehr Menschen per Mitfahrzentrale zur Arbeit fahren.

Sparen das Hauptargument für Fahrgemeinschaften

Das hat Philipp Schwartz, von der Pressestelle des Internetportals Mitfahrgelegenheit.de festgestellt. Allein 1200 Menschen aus einem Umkeis von 100 Kilometern pendeln schon jetzt per Mitfahrzentrale Tag für Tag nach Frankfurt. Der Grund, sich mit anderen ein Auto zu teilen, ist aber in den meisten Fällen offenbar nicht der Umweltaspekt. „Die Leute wollen einfach Geld sparen“, meint Schwartz.

Folgt man Silvia Ruppenthal, kann beim Pendeln per Mitfahrgelegenheit trotz Geldersparniss der Stress besonders steigen. „Wenn man sich nicht 100 Prozent auf das Verkehrsmittel verlassen kann, steigert das den Stress“, sagt sie. Dazu empfänden viele Menschen es als anstrengend, schon am Morgen im Auto Konversation führen zu müssen. Doch das nehmen offenbar viele aus Kostengründen in Kauf. Darauf deuten die Zahlen der Mitfahrzentrale hin. „Mittlerweile gibt es sogar ein eigenes Portal für Berufspendler von uns im Internet“, erklärt Philipp Schwartz. Zwar hänge alles von den aktuellen Spritpreisen ab, aber so langsam sei eine kritische Masse erreicht. „Wir gehen davon aus, dass die Zahlen weiterhin stark steigen werden.“

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