Stress macht der jungen Psyche zu schaffen

+
Professor Dr. Hans Hölschermann eingerahmt von den DAK-Verantwortlichen Norbert Hissting (von links, Hofheim), Ute Pfeiffer und Erhard Waldmann (Bad Homburg).

Taunus – Eine deutliche Zunahme an psychischen Erkrankungen bei jungen Menschen hat der Gesundheitsreport der Krankenkasse DAK für den Main-Taunus- und Hochtaunuskreis festgestellt. Dieser wurde am Donnerstag in der Hochtaunus-Klinik Bad Homburg präsentiert. Von Norman Körtge

Warum laut der DAK-Studie gerade der Anteil der Krankschreibungen bei jungen Arbeitnehmern zwischen 15 und 29 wegen Erkältungen, Bronchitis oder Mandelentzündungen im Vergleich zur Gesamtgruppe besonders hoch ist, kann Professor Dr. Hans Hölschermann von den Hochtaunus-Kliniken in Bad Homburg nur vermuten.

Denn normalerweise ist das Immunsystem von älteren Menschen schwächer. Doch diese würden im Gegensatz zu Jüngeren nicht bis spät in die Nacht auf einer „Just White“-Party wie auf dem Hessentag in Oberursel feiern, kräftig Alkohol trinken und sich dann auch noch unter einen Wasserstrahl stellen. Da müsse man ja krank werden, meint der Mediziner und lacht.

Fast jeder zehnte junge Erwerbstätige leidet

Gar nicht zum Lachen ist dem Professor allerdings zumute, wenn es um die psychischen Erkrankungen geht, bei denen die DAK für 2010 eine Zunahme um 24 Prozent gegenüber dem Vorjahr für die beiden Landkreise festgestellt hat. Die häufigste Diagnose bei den jungen Erwachsenen ist laut dem Report die so genannte Somatoforme Störung, unter der fast jeder zehnte junge Erwerbstätige leide. Bei diesem Krankheitsbild können beispielsweise für körperliche Beschwerden wie Schmerzen oder Herzprobleme keine organischen Ursachen gefunden werden.

Begleitet sind diese Störungen oft von Depressionen. „Das wird uns in der Zukunft noch große Sorge bereiten“, sagt der Mediziner, der als Ursachen dafür eine Änderung im sozialen Verhalten wie fehlende familiäre Stabilität, hohe Mobilität und einen damit einhergehenden größeren Organisations-Stress verantwortlich macht.

Krankheitstage unter dem Landesschnitt

Für Ute Pfeiffer von der DAK kommt in diesem Zusammenhang als weiterer Faktor hinzu, dass sich viele junge Menschen zwischen 18 und 29 Jahren einerseits aus schulischen und familiären Beziehungen lösen und sich andererseits ins Arbeitsleben integrieren und das Leben selbst gestalten müssen. Um Hilfestellungen zu geben, habe die DAK auf ihre Internetseite mehrere Angebote zur Entspannung und zur besseren Bewältigung des Alltags gestellt, so Pfeiffer.

In der Gesamtübersicht attestiert der DAK-Gesundheitsreport, dass die arbeitende Bevölkerung im Hochtaunus- und Main-Taunus-Kreis überwiegend gesund ist. Denn der Krankenstand ist 2010 unverändert geblieben. Die Ausfalltage aufgrund von Erkrankungen lagen unter dem Landesschnitt. Mit 2,9 Prozent hatte die Region im Vergleich den zweitniedrigsten Krankenstand in Hessen. Dies bedeutet, dass an jedem Tag des Jahres von 1000 DAK-versicherten Arbeitnehmern 29 krankgeschrieben waren. Den höchsten Wert mit 4,2 Prozent hatte Gießen.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare