Streitend zur großen Liebe

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Sieben Minuten angiften: Beim Speed Hating lernen sich Frauen und Männer mittels Streit kennen.

Region Rhein-Main - Ob wir jemanden interessant finden, nett und anziehend, entscheidet sich schnell. Nur wenige Minuten nach dem ersten Aufeinandertreffen ist das Urteil schon gefallen. Das weiß auch Christian Ziegler. Von Julia Renner

Der Geschäftsführer der Dating-Seite www.dateyork.com hat eine Dating-Form aus den USA übernommen: Silent Dating.

Die Grundidee, die dahinter steckt, sagt er, sind genau diese wenigen Minuten am Anfang einer Begegnung. „In den ersten Minuten wird weniger das gesprochene Wort verarbeitet. Das Aussehen, die Körpersprache und der Geruch spielen eher eine Rolle.“ Also lässt er die Date-Teilnehmer einfach schweigen. Kommunizieren können sie trotzdem – mittels Zettel.

Schreiben statt Quatschen

Sieben Minuten lang können sich Mann und Frau darauf Botschaften zukommen lassen. „Erlaubt sind dabei Gesichtsausdrücke und Gesten. Und lachen ist der einzige Laut, den man von sich geben darf“, sagt Christian Ziegler.

Schreiben statt quatschen findet Ziegler sinnvoll. „So werden die Worte mit mehr Bedacht gewählt.“ Außerdem traue man sich manchmal mehr. Und Männer, sagt der Date-Experte, könnten sich so nicht um Kopf und Kragen reden.

In Frankfurt hat Ziegler zunächst Silent Dating angeboten. „Die Nachfrage ist aber gering, weil es zu wenig bekannt ist.“ Im September wird er noch einen Versuch wagen und das skurrile Dating in der Mainmetropole anbieten.

Es geht allerdings noch schräger. BeimSpeed Hating schreien sich Frau und Mann an. Am sinnvollsten ist es, sagt Christian Ziegler, wenn man dabei ein Thema vorgibt, „damit es nicht zu persönlich wird“. Gebrüllt werden könne beispielsweise wegen der Bahnpreise oder der Arbeit der Kanzlerin. Erstmals habe er das Speed Hating in Stuttgart angeboten. „Die Leute waren sehr verhalten.“ Trotzdem will er es noch einmal versuchen, auch in Frankfurt. Ziegler ist sicher: „Es werden einige kommen. Auch wenn sie es eher wegen des Event-Charakters machen und nicht wegen der Dates.“

Extremsituation beim Kennenlernen

Christine Janson, Erotik-Coach aus Frankfurt, ist begeistert von den neuen Dating-Formen. „Es ist auf alle Fälle kreativ und toll, aus alten Mustern auszubrechen.“ Die Chance sei groß, jemanden kennenzulernen, der auf der gleichen Wellenlänge liegt, sagt Janson. Ob sich anschweigen oder anbrüllen – beides sind Extremsituationen, sagt die Expertin. Wer eine neue Beziehung eingeht, lernt den Partner erst dann richtig kennen, wenn das Paar in eine Extremsituation komme. Beim Silent Dating und Speed Hating stehe diese Situation dagegen gleich am Anfang. Janson selbst bietet Coachings für Einzelpersonen und Paare an. „Und auch meinen Klienten sage ich eins immer: Man sollte mutiger sein. Jede Erfahrung ist besser als keine Erfahrung.“ Bei einem solchen Date, findet sie, habe man nichts zu verlieren. „Im schlimmsten Fall war es ein blöder Abend.“ Auf der Internetseite www.dateyork.com wird angekündigt, sobald Termine für Silent Dating und Speed Hating in Frankfurt feststehen.

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