Streit um Farbe: Protestler sehen sich von der Uni zu Unrecht verurteilt

„Wer nicht kämpft, hat schon verloren“: Das ist auch die Devise von Philosophie-Student Emanuel Kapfinger.F.: dre

Frankfurt – Beschmierte Gemälde, beschädigte Toiletten und Parkettböden: 200.000 Euro Schaden sollen die Protestler am Casino-Gebäude der Goethe-Universität Frankfurt angerichtet haben. Der Uni-Präsident Werner Müller-Esterl spricht von Zerstörung. Das Protest Plenum nennt es „ästhetische Veränderungen“. Von Jennifer Dreher

Emanuel Kapfinger gehört zum Protest-Plenum und war auch bei der Räumung dabei. „Es wirkt nach außen, als hätten wir im Casino gewütet und wild gefeiert, aber so war es nicht.“ Es habe vielmehr einen kritischen Diskurs unter den Protestlern gegeben, an dem sich bis zu 100 Studenten friedlich beteiligt haben.

Grüne Farbe ist auf ein Gemälde gespritzt worden.

„Über den Einsatz von Farbe kann man unterschiedlicher Meinung sein“, sagt der 26-Jährige. Er verweist darauf, dass die Wände im Turm am Campus Bockenheim schon seit Jahren mit Schriften versehen seien. In einer ersten Stellungnahme gesteht das Protest-Plenum: „Die Bemalung der Bilderrahmen im ersten Stock bedauern wir.“ Weiter heißt es: „Die entstandenen Sachschäden und die Parolen an den Wänden der ,sauberen‘ – und vor allen Dingen gesäuberten – Uni sind ein Ausdruck unserer Gegnerschaft zu Selektion, Stiftungsuni, Karrierezwang und Konkurrenzdruck. Sie sind kein konstruktiver Beitrag, sondern Ungehorsam.“ Das Protest-Plenum fordert von der Universität Räume, die die Studenten selbst verwalten. „Die Universität muss demokratischer werden“, sagt Kapfinger: „Die Studenten müssen mehr zu sagen haben.“

Uni-Sprecher sieht rote Linie überschritten

Einige Protestler haben sich im Casinogebäude mit Farbe ausgetobt. Laut Gutachten beläuft sich der Schaden auf 214.000 Euro.

Unisprecher Olaf Kaltenborn „befremden“ solche Statements. „Wo Kunst geschändet wird, ist die Freiheit in Gefahr“, sagt er: „Die rote Linie ist deutlich überschritten worden“, fügt er hinzu.
Darmstadt: Bundesweit haben sie Hörsäle besetzt. Doch letztlich ist es nur ein kleiner Teil, der sich gegen die Bildungspolitik auflehnt. „Leider ist zu befürchten, dass der Protest immer mehr abschwächen wird“, sagt Kapfinger voraus: „Die neue Studienordnung ist so streng und der finanzielle Druck so groß, dass die meisten keine Zeit für den Protest haben.“
So geht es auch Lehramtsstudentin Kerstin. Sie ist häufig bei Workshops und Diskussionen dabei. „Ich weiß nicht, wie lang ich es noch schaffe, Zeit freizuschaufeln“, berichtet die 25-Jährige. Zudem hat sie Angst vor den Konsequenzen den Protests. Als die Polizei das Casino-Gebäude am Mittwoch vor einer Woche geräumt hatte, ist sie einige Straßen entfernt von Polizisten umzingelt worden. Die Beamten wollten ihren Ausweis sehen und die Personalien aufschreiben.
„Ich wollte wissen, was mit den Listen passiert“, erinnert sich die Studentin: „Aber mir wurde in aggressivem Ton gedroht, dass ich den Personalausweis rausrücken soll oder sonst mein Rucksack runtergerissen wird.“ Sie befürchtet, dass ihr Protest aktenkundig werden könnte. „Ich möchte ja mal für den Staat arbeiten“, sagt sie.

Davon lässt sich Emanuel Kapfinger nicht einschüchtern: „Ich werde weitermachen“, verspricht er.

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