Streik: Legen auch Offenbacher Ärzte ihre Arbeit nieder?

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Amelie Jüstel

Offenbach – Auch die Kommunalen Kliniken in Hessen können vom Ärztestreik, zu dem die Gewerkschaft Marburger Bund aufgerufen hat, betroffen sein. Die Mediziner Andreas Siedow und die Assistenzärztin Amelie Jüstel am Offenbacher Klinikum sind bereit für einen Streik. Von Dirk Beutel

Dr. Andreas Siedow

Andreas Siedow ist Oberarzt in der Neurologie am Offenbacher Klinikum und Mitglied der Ärztegewerkschaft Marburger Bund. Er gehört zu denjenigen, die dieDiskussionen um bessere Arbeitsbedingungen und eine leistungsgerechtere Bezahlung von Ärzten genau beobachtet.

Dass am Dienstagabend 92,7 Prozent der Mitglieder des Marburger Bundes für einen Streik am 26. Januar votierten, kommt für ihn nicht überraschend. Vor allem nicht nach der letzten Tarifverhandlung, als die Vereinigung der kommunalen Arbeitgeber für 16 Monate 1,48 Prozent mehr Lohn und eine Einmalzahlung von 250 Euro angeboten hatte. „Das deckt nicht einmal die Inflation ab“, sagt Siedow. Deshalb hält auch er die geforderten sechs Prozent mehr Gehalt für gerechtfertigt.

Ebenso die Forderung nach einer sechsten Gehaltsstufe für Auszubildende und eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie hält der Oberarzt für unausweichlich. Das gilt auch für Amelie Jüstel, die definitiv Ende Januar ihre Arbeit niederlegen wird. Die junge Assistenzärztin ist gerade schwanger und wird deshalb länger für ihre Ausbildung brauchen – ein Nachteil für die werdende Mutter. Daher fordert der Marburger Bund als Ausgleich eine sechste Gehaltsstufe für diese Fälle.

Überstunden werden in Offenbach bezahlt

Was Arbeitszeiten anbelangt, können sich Offenbacher Ärzte, laut Siedow, allerdings nicht beklagen. Die geleistete Arbeitszeit werde dort genau erfasst und jede Überstunde bezahlt. „Allerdings darf auch bei uns die Mehrarbeit nicht überhand nehmen“, sagt der Oberarzt: „Im Grunde haben wir in Offenbach im Vergleich zu anderen Kliniken noch gute Bedingungen.“ Trotzdem wird er sich am Streik beteiligen: „Natürlich gehe ich auch auf die Straße. Ich brauche motivierte und qualifizierte Assistenzärzte“, sagt Siedow.

Dennoch müssen die Ärzte auch in Offenbach mit ihrer Zeit haushalten. Der Leidtragende in solchen Fällen ist meist der Patient, dem immer weniger Zeit zur Verfügung steht, mit seinem behandelnden Arzt ein persönliches Gespräch zu führen. Siedow ist überzeugt: „Es muss bald eine Einigung her, sonst eskaliert der Streit.“

Inwieweit das Offenbacher Klinikum vom Ärztestreik betroffen sein wird, ist bislang unklar. Andreas Siedow betont aber: Notfallpatienten werden selbstverständlich auch während des Ärztestreiks behandelt.

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