Der Moment-Sucher

Straßenfotograf Thomas Leuthard lichtet Frankfurt ab

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Eigentlich eine Alltagssituation – Thomas Leuthard macht daraus ein Kunstwerk. Dieses hier schoss er im Vorbeigehen in der U-Bahn-Station Bockenheimer Warte.

Frankfurt – Thomas Leuthard durchstreift die Großstädte der Welt. Seine Motive findet er auf der Straße. Wenn Licht und Schatten, Bewegung und Verharren aus einer Alltagssituation einen perfekten Moment machen – genau dann drückt Leuthard ab. Jetzt hat er Frankfurt im Visier. Von Christian Reinartz

Straßenfotograf Thomas Leuthard im Bahnhofsviertel.

Sein Name ist wie Donnerhall in der Fotografenszene. Seine Bilder dagegen sind leise und unaufdringlich, fast beiläufig. Er wird gehandelt als einer der ganz großen neuen Straßenfotografen. Das, was der vielbeachtete Fotograf Eric Kim für die USA ist, ist Leuthard für Europa. Ein Fotograf, der nicht müde wird, zu reisen, durch die Straßen zu wandern. Immer auf der Suche nach einer außergewöhnlichen Szene, einem Moment, in dem alles zusammenkommt, in dem das Spiel von Licht und Schatten wie ein Gemälde wirkt.

Und in denen der Mensch immer der Hauptdarsteller ist – meistens ungefragt. Diese Form der Kunst heißt „Streetphotography“. Und sie hat auch Kritiker. In der Diskussion geht es um das Recht am eigenen Bild kontra Kunstfreiheit. Eine Frage, die meist Gerichte entscheiden müssen. Dass es bei Leuthard um Kunst geht, muss der Mann aber keinem mehr beweisen. Die Steetphotography hat schon viele große Künstler hervorgebracht, wie Henri Cartier-Bresson, Elliott Erwitt und Joel Meyerowitz. Leuthard ist auf dem besten Weg, auch einmal so bekannt zu werden.

Ein Künstler ohne Allüren

Aber so gut seine Bilder auch sind, so bescheiden gibt sich der Fotograf, der in Zug in der Schweiz wohnt – nichts mit Künstler-Allüren oder tiefgründigem Sinn. „Ich fotografiere, weil es mir Spaß macht“, sagt Leuthard. „Das ist für mich der entscheidende Faktor.“ Dass Leuthard, der seit 2008 fotografiert und seine Bilder im Internet auf zahlreichen Fotoplattformen sowie in den sozialen Netzwerken zeigt, dabei offenbar ein Gespür für das hat, was Menschen bewegt, zeigen die knapp 40.000 Abonnenten bei Facebook. Er ist so bekannt, dass er am vergangenen Wochenende alleine 60 Hobbyfotografen aus dem ganzen Rhein-Main-Gebiet dazu bewegt hat, mit ihm durch die Straßen der Stadt zu streifen, sich über Fotografie zu unterhalten und draufzudrücken, wenn sich eine gute Szene bietet. So wie im U-Bahnhof Bockenheimer Warte.

Er nennt seine Spaziergänge „Photowalk“

Leuthard schlendert über den Bahnnsteig. Seine Motivsensoren sind immer an. Er scannt die Umgebung regelrecht ab und entdeckt nach kurzer Zeit ein lohnenswertes Motiv. Eine Frau mit Kopfhörern, die vor dem einfahrenden Zug steht. Im Hintergrund ist verschwommen der Schriftzug der Station zu sehen. Nur das Wort Warte ist zu sehen. Ein Motiv, das so gut ist, dass Leuthard es wenig später im Netz veröffentlichen wird. Leuthard nennt diese Spaziergänge „Photowalk“. „Meistens geht es gar nicht ums Fotografieren. Es ist einfach schön, Gleichgesinnte kennenzulernen“, sagt er. „Das inspiriert. Und offenbar wollen viele auch mich mal persönlich treffen.“

Aber wie wirkt Frankfurt auf einen weitgereisten Streetfotografen? „Mir gefällt die Stadt mit ihren Hochhäusern und Menschen. Alles wirkt sehr weltoffen. Hier liegen die guten Motive sozusagen auf der Straße.“

Fotos: Die besonderen Motive von Thomas Leuthard

Mehr Bilder zu sehen gibt es auf http://thomas.leuthard.photography.

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