Haftbefehl

Straßen-Rapper fordert: „Kids, geht zur Schule!“

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Düstere Miene, die Haare abrasiert: Er nennt sich Haftbefehl und macht echten Straßen-Rap.

Offenbach – Er spricht die Sprache der Straße. Ghetto, Gewalt und Drogen spielen in seinen Texten eine Rolle. Inzwischen ist der Offenbacher Rapper Haftbefehl weg von der Kriminalität. In seinem neuen Album fordert er jetzt: „Geht zur Schule und lernt!“ Von Jennifer Dreher

Dabei hat der Rapper selbst die Schullaufbahn geschmissen. Sein Leben war bisher turbulent. Vor knapp vier Jahren flüchtete der heute 24-Jährige aufgrund einer bevorstehenden Haftstrafe in die Türkei, später zog er nach Holland. In dieser Zeit begann er, Texte zu schreiben, das Erlebte in Form von Songs und Reimen zu verarbeiten. „Wenn man älter wird, fängt man auch an nachzudenken. In dieser Zeit bin ich sehr viel reifer geworden“, sagt er.

Sein Anwalt handelte später aus, dass Haftbefehl wieder nach Deutschland kommen darf. Als Bedingung musste er einen Ausbildungsplatz vorweisen. Und den bekam er – als Kfz-Mechatroniker in einer Rodgauer Werkstatt. Doch nach nur drei Wochen, musste er auch dort gehen. „Leider meldete das Unternehmen Insolvenz an und ich stand wieder ohne Arbeit da“, erinnert sich der Nachwuchs-Rapper.

Heute lebt Haftbefehl in Babenhausen

Kurze Zeit später zog Haftbefehl zurück nach Offenbach. Inzwischen lebt er in Babenhausen. Wenn er heute an Offenbach denkt, dann auch an die „Ghettos“ dort, wie er sagt. Eines davon sei der Mainpark. „Illegale, Arbeitslose, Armut: Dort existiert eine Parallelgesellschaft“, sagt er. Deswegen sind auch seine Texte hart. Beschimpfungen gehören dazu. Denn das sei authentisch.

Aber er gesteht: „Die Jugendlichen von heute sind noch aggressiver als früher. Wir waren mit 13 noch nicht bewaffnet, sind nicht mit Messern aufeinander losgegangen.“ Um das zu verhindern, will er ihnen ein positives Vorbild sein. „Auf einen Abiturienten hören die Jugendlichen nunmal nicht. Mit mir können sie sich eher identifizieren“, sagt er.

Live auf der Bühne in Frankfurt

Haftbefehls neues Album erscheint am 29. Oktober. „Jan Delay hat schon eins angefordert“, berichtet er. Mit den neuen Songs steht er auch am Donnerstag, 11. November, im Frankfurter Club Nachtleben auf der Bühne.

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