Knapp 130 verzweifelte Bürger beschweren sich

Strahlung 2.0 in Mühlheim: Schon wieder ein neuer Funkmast

+
Der Vodafone-Mast inklusive Installationskasten auf dem Dach eines Wohnhauses in der Bahnhofstraße sorgt seit Wochen für Ärger und Angst bei den Mühlheimer Anwohnern. Gerade wird ein zweiter aufgestellt

Mühlheim – Den Mobilfunkmast von Vodafone haben viele Mühlheimer noch nicht verdaut. Sie haben sogar Widerspruch bei Stadt und Bundesnetzagentur eingelegt. Doch statt Unterstützung, bekommen sie einen zweiten Strahlungsmast von der Telekom obendrauf. Von Janine Drusche

Lesen Sie außerdem:

Störche bringen Punkte: Mühlheim betreibt Ökohandel

Hans Pollrich ist sauer:Der Mühlheimer kämpft mit Ralf Zimmermann seit der Errichtung des Vodafone-Funkmasts in der Bahnhofstraße im März gegen die potentielle Strahlung. Doch es tue sich nichts. Die beiden Anwohner und andere Mühlheimer hätten schlicht Angst um ihre Gesundheit und die der Kinder. Bürgermeister Daniel Tybussek sagte, bei Masten unter zehn Metern seien ihm die Hände gebunden, da diese baugenehmigungsfrei seien. Das ärgert Pollrich: „Ich habe ein Schreiben von Vodafone vorliegen, in dem steht, dass die Kommune schon im November 2015 vom Netzanbieter über den Bau des Mastes informiert wurde. Da hätte der Bürgermeister noch etwas dagegen unternehmen können.“Stattdessen kommt ein zweiter Mast . Zimmermann, direkter Nachbar des Grundstücks, auf dem der erste Mast steht, reicht es: „Ich habe eine Anwältin für Umwelt- und Baurecht eingeschaltet, die sich der Sache annimmt. Das die Stadt nichts dagegen tun kann, ist schlichtweg gelogen“, weiß der Mühlheimer von seiner auf Funkmasten spezialisierten Anwältin Barbara Wachsmuth. Er und 127 weitere Bürger haben deshalb Widerspruch gegen den Funkmast bei der Bundesnetzagentur eingelegt. Auch Flugblätter haben Pollrich und Zimmermann verteilt: „Um die Leute aufzuklären, dass sie gar nicht so machtlos sind, wie es uns die Stadt vermittelt“, sagt Zimmermann: Seit 2012 hätten Kommunen das Recht, den „Antennen-Wildwuchs“, wie er die Funkmasten im Wohngebiet nennt, zu verhindern.

Anwohner fühlen sich alleine gelassen

Dadurch, dass der Mast in sein Grundstück hinein geragt hatte, wurde er zweimal umgebaut. „Deshalb muss für die Inbetriebnahme eine neue Standortbescheinigung her. Das hat wenigstens eine aufschiebende Wirkung“, sagt Zimmermann. Von der Stadt fühlen sich die Anwohner nach wie vor allein gelassen: „Ich warte immer noch auf ein zweites Gespräch mit dem Bürgermeister. Ich würde ihm gern eine Broschüre geben, in der steht, dass er sehr wohl Widerspruch gegen solche Bauvorhaben einlegen kann“, sagt Zimmermann: „Aber die Stadt steht ja selbst in wirtschaftlichen Beziehungen mit den Netzbetreibern.“ Um das Wohl der Bürger zu schützen, könnte die Stadt eine Satzung aufnehmen und ein Vorsorgekonzept aufstellen, dass den Mast-Bau im Wohngebiet verbiete. Zimmermann hat genug: „Wenn der Mast wirklich in Betrieb geht, werde ich mein Haus hier verkaufen. Ich lasse mich nicht Jahre lang direkt bestrahlen.“

Die Stadt soll handeln

Nicht genug, dass bisher keine Rückmeldung seitens der Stadt kam: Am Brückenmühlparkplatz wird also der nächste Funkmast angebracht, diesmal von der Telekom. „Der Mast ragt 4,10 Meter über das Hausdach und wurde im September vom Kreis Offenbach genehmigt“, sagt Telekom-Sprecher George-Stephen McKinney. Der Mast sei insgesamt also über 15 Meter hoch. Mit einem Radius von 300 Metern gehe er im dritten Quartal diesen Jahres in Betrieb. Wichtig ist McKinney: „Es gibt Grenzwerte für Strahlung, eine Art Antennen-TÜV prüft das. Und die unterschreiten wir immer deutlich.“ Wie viel Miete eine Antenne für den Hausbesitzer bringt, will er nicht verraten. Das sei zu individuell. Auf dem Land sei die Miete aber günstiger als in der Großstadt. Paul Gerlach von Vodafone äußert sich nur knapp: „Die Mieten sind geringer, als man glaubt.“

Die Mühlheimer hoffen nun, dass Jörn Gutbier von der Umwelt- und Verbraucherorganisation Diagnose Funk aufklärend vermitteln kann. „Die Stadt darf nicht so ignorant sein. Es herrscht großes Konfliktpotential, sie muss handeln“, sagt Gutbier.

Keine Neuigkeiten und Gewinnspiele mehr verpassen? Dann einfach EXTRA TIPP-Fan auf Facebook werden!

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare