Die Schattenseite der Region

So belastet ist das Rhein-Main-Gebiet

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Schornsteine pusten Dampf in die Luft.
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Region Rhein-Main – Stickoxide, Feinstaub, Radiokativität, Schwermetalle – täglich sind die Menschen in Rhein-Main einem Cocktail aus Schadstoffen und Giften ausgesetzt. Während manche Messungen unauffällig sind, liefern andere einen Spitzenwert nach dem anderen. Von Christian Reinartz

Die gute Nachricht: Die Belastung mit Radioaktivität im Rhein-Main-Gebiet ist niedrig. Quasi nicht der Rede Wert. Ganz anders sieht es im Bereich „Verkehrsbedingte Luftschadstoffe“ aus. Die Immissionsbelastung stellte auch im Jahr 2015 ein wesentliches Problem dar. So drückt es das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie aus. Demnach wurde an neun von elf verkehrsbezogenen Luftmessstationen in Hessen der Grenzwert von 40 Mikrogramm Stickstoffdioxid (NO2) pro Kubikmeter für den NO2-Jahresmittelwert überschritten. Spitzenreiter bei den kontinuierlichen NO2-Messungen 2015 war mit 60,5 Mikrogramm die Station in der Darmstädter Hügelstraße. Schuld an den Überschreitungen ist der Straßenverkehr.

Umweltzonen zeigen positive Wirkung

Der Grenzwert für die kurzfristige Belastung durch Feinstaub in der Außenluft wurde im vergangenen Jahr in Hessen nicht überschritten. Der seit 2005 einzuhaltende Grenzwert gilt als überschritten, wenn an mehr als 35 Tagen pro Kalenderjahr Feinstaubkonzentration von über 50 Mikrogramm pro Kubikmeter im Tagesmittel gemessen wurden. Das war zuletzt 2011 an zwei Messstationen in Frankfurt und Darmstadt der Fall. Ist die Luft im Rhein-Main-Gebiet in den vergangenen Jahren also besser oder schlechter geworden?

Der Sprecher des ökologischen Verkehrsclubs VCD in Hessen, Daniel Sidiani: „Die viel diskutierten Umweltzonen zeigen auch im Rhein-Main-Gebiet eine positive Wirkung, weil sie Anreize zur Verjüngung der Fahrzeuge und zum Einbau von Partikelfiltern schaffen.“ Problematischer beurteilt der Experte die Stickoxidwerte. „Am Beispiel Offenbach gibt es zwar eine minimale positive Tendenz, die Grenzwerte werden aber immer noch nicht eingehalten. Man hat sich lange gewundert, warum – denn die neuen Diesel-PKW sollten ja eigentlich sauberer sein als die alten. Seit dem Manipulationsskandal bei VW und anderen Herstellern wundert uns das nicht mehr.“

Keine Ausnahmen mehr für Diesel-Fahrzeuge

Um die Situation zu verbessern fordert Sidiani die Abschaffung von Ausnahmeregelungen. „Die Umweltzonen im Rhein-Main-Gebiet zeigen Erfolge. Es reicht aber nicht, nur den einfachen Bürger in die Pflicht zu nehmen. Auch die Ausnahmen, etwa für dieselbetriebene Baumaschinen oder Dieselloks, müssen abgeschafft werden.“ Außerdem müsse mehr Geld in den Öffentlichen Personennahverkehr gesteckt werden, um Bus- und Bahnfahren attraktiver zu machen. Gleichzeitig müssten die Städte ihre Linienbusflotten erneuern. „Auch hier sind noch zu viele Schadstoff-Schleudern unterwegs. Und die Städte müssen ihre Anstrengungen intensivieren, mehr Platz fürs Fahrrad zu schaffen“, stellt Sidiani klar.

Nicht nur die Luft ist ein Sorgenkind

Doch an besonders belasteten Stellen sei es damit längst nicht getan. Um etwa an der Messstelle Untere Grenzstraße in Offenbach den Stickstoffdioxid-Grenzwert einzuhalten, müsste der Verkehr dort um zwei Drittel verringert werden. „Das ist kaum machbar“, sagt der Experte. Der VCD fordere deshalb, dass die Bundesregierung der Autoindustrie endlich Druck mache, „anstatt mit ihr zu kungeln und zu kuscheln. Die Schummeleien auf Kosten unserer Gesundheit müssen aufhören. Wenn alle Fahrzeuge die Euro 6-Norm nicht nur auf dem Papier, sondern auch in der Realität einhalten, wäre das für die Luftqualität im Rhein-Main-Gebiet ein großer Gewinn.“

Aber nicht nur die Luft ist trotz aller Grenzwerte und Vorlagen offenbar ein Sorgenkind. Zwar wird das Wasser im Main genau überwacht. „Aber die Grenzwerte sind ja auch nicht immer das Maß aller Dinge“, sagt Berthold Langenhorst, Sprecher des Naturschutzbundes Hessen. „Bei diesen Grenzwerten wird oft auch die wirtschaftlichen Belange mit einbezogen“, sagt Langenhorst. Er ist sich in jedem Fall sicher: „Ich würde nicht im Main baden.“

Christian Reinartz

Christian Reinartz

E-Mail:christian.reinartz@extratipp.com

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