Bei Geldnot

Steril statt schmierig: Pfandleihhäuser immer noch eine schnelle Lösung

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Region Rhein-Main – Der Monat ist noch nicht zu Ende und es herrscht bereits Ebbe im Portmonee. Ein Pfandleihhaus könnte dann die schnelle Lösung sein. Längst sind sie weg vom Image schmuddeliger Läden mit Kredithai-Atmosphäre. Von Oliver Haas

Dunkler Hinterhof und ein übergewichtiger Mann in engem Unterhemd mit Goldkette, der den Kunden lachend übers Ohr haut. Dieses Klischee haben Pfandleihhäuser Hollywood zu verdanken. Das Pfandleihaus Weber in Frankfurt in der Gutleutstrasse 92a am Baseler Platz hat damit nichts gemeinsam. In fast steriler Bankatmosphäre wird Handfestes minutenschnell zu Geld gemacht. „Zu fast 90 Prozent wird hier Edelmetall vorbeigebracht – hauptsächlich Gold“, sagt Dennis Weber. In den schwer gesicherten Räumen der Firma lagern jedoch Gegenstände aus allen Bereichen: Von der Kettensäge, über Luxustaschen bis hin zum Handy. „Wir beleihen fast alles. Wenn die Sicherheit stimmt, dann auch was für wenige Euro“, sagt Weber. Auch wenn es sich für die Firma kaum lohnt, wenn Gegenstände für einen kleinen Betrag verpfändet werden. „Wenn jemand 100 Euro ausgezahlt bekommt und nach einem Monat seinen Gegenstand wieder haben will, dann muss er 103,50 Euro zahlen.“ Generell läuft nach drei Monaten der Pfandschein ab. „Wir sichern dann nochmal einen Monat zu. Bis zu zehn Monaten darf es laufen, bevor es dann zur Versteigerung kommt“, erklärt Weber. Aus Kulanz entscheidet die Firma dann von Fall zu Fall. Dies sei etwa abhängig davon, ob der Kunde die Frist oft schon verstreichen ließ. Weit über 90 Prozent aller Kunden lösen den Pfandschein tatsächlich wieder ein und holen sich den Gegenstand wieder. Sollte er doch versteigert werden und es kommt dann dabei mehr heraus, als der Pfandwert plus Gebühren, dann hat der Kunde zwei Jahre Zeit, sich den Überschuss auszahlen zu lassen. „Kommt er nicht, versuchen wir ihn rechtzeitig zu kontaktieren, andernfalls bekommen wir aber nicht dieses Geld, sondern der Staat“, sagt Weber.

Vom kleinen Darlehen bis zum großen schnellen, welches für Unternehmen oft aufgrund der schnellen Bearbeitung attraktiv ist, macht das Pfandhaus alles möglich. „Für große Darlehen benötigen wir auch große Sicherheiten. Hochpreisige Sportwagen, Baumaschinen, Boote sind keine Seltenheit.“ Das Pfandleihhaus achtet darauf, dass vor allem bei Elektrogeräte noch der Kassenbon dabei ist oder wenigstens Verpackung und Zubehör-Kabel. „Wenn das alles fehlt, dann ist die Chance sehr groß, dass das irgendwo etwa im Zug oder S-Bahn weggekommen ist und wir lehnen das dann ab“. Mit den Polizeibehörden arbeiten seriöse Pfandleihhäuser laut Weber eng zusammen. „Die Polizei informiert uns, wenn irgendwo ein größerer Einbruch stattgefunden hat.“

Oliver Haas

Oliver Haas

E-Mail:oliver.haas@extratipp.com

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