Hat der Stellen-Kahlschlag noch kein Ende?

Hewlett-Packard: Betriebsrat und Gewerkschaft bleiben skeptisch

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Ziehen die dunklen Regenwolken weiter? Ob es nun mit dem Stellenabbau bei Hewlett-Packard in Deutschland vorbei ist, bleibt unklar.

Bad Homburg – Der Standort Rüsselsheim ist dicht. Doch ein Ende des Stellenabbaus beim Computerkonzern Hewlett-Packard ist nicht abzusehen. Auch den Standort Bad Homburg könnte es noch treffen. Von Dirk Beutel 

Wie so oft müssen Angestellte die Fehler gut bezahlter Manager ausbaden. Das ist beim Computerhersteller Hewlett-Packard (HP) nicht viel anders. Das Unternehmen hat den Trend zu mobilen Endgeräten und Smartphones schlichtweg verschlafen – die Zeche zahlen jetzt die Mitarbeiter. 34.000 sollen weltweit entlassen werden, davon etwa 7000 in Europa. Genaue Zahlen für Deutschland gibt es noch nicht. Sicher ist bislang, dass der Standort Rüsselsheim geschlossen wird. 400 Mitarbeiter von dort wurden an den Standort Bad Homburg verlegt. Mittlerweile arbeiten dort 1500 Beschäftigte. Etwa 200 Kollegen wechseln zum Autobauer Opel. Der Rest scheidet freiwillig aus oder muss sich nach neuer Arbeit umsehen.

Erreicht der Stellenabbau auch Bad Homburg?

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Ob die Welle des Stellen-Kahlschlags auch den Taunus-Standort erreicht, ist nicht abzusehen. „Wie sich die Situation in Bad Homburg verhält ist schwer einzuschätzen“, sagt Martin Weiss  von der IG Metall Frankfurt.
„Weil es nicht abzusehen ist, dass sich der Stellenabbau für HP in Deutschland erledigt hat.“ Ähnlich sieht es Thomas Müller  von der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di: „Nur weil Rüsselsheim geschlossen wurde, sind die anderen Standorte nicht geschützt.“ In jedem Fall mache die Art und Weise, wie Hewlett-Packard mit den Mitarbeitern in Rüsselsheim und der Standortschließung umgegangen ist nachdenklich. So wurden die Mitarbeiter von der Schließung an einem Freitag per E-Mail benachrichtigt.

Brachiales Vorgehen von HP verurteilt

Ingo Sturm, Betriebsratsvorsitzender in Bad Homburg, verurteilt jedenfalls das brachiale Vorgehen des Unternehmens: „Mit der Betriebsschließung wurde die Sozialauswahl  unterlaufen.“ Soll heißen: Mitarbeiterfürsorge  Fehlanzeige. HP hat soziale Härtefälle wie Alleinerziehende oder ältere Mitarbeiter überhaupt nicht berücksichtigt.

In Bad Homburg herrsche derzeit eine gemischte Stimmung: „Manche sind sich der Situation bewusst und machen sich durchaus Sorgen. Nicht nur was den eigenen Arbeitsplatz anbelangt, sondern auch was die Arbeitsverdichtung betrifft. Andere wiederum bleiben gelassen.“ Interessant: Vergangenes Jahr wurde Hewlett-Packard  mit dem Deutschen Diversity Preis  als exzellenter Arbeitgeber für seine herausragende Kultur der Vielfalt am Arbeitsplatz ausgezeichnet.

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