Steinmetz fordert mehr Freiheiten für Grabsteine

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Vorschriftsmäßig mit Schutzbrille: Steinmetz Gunther Seiffert setzt den Presslufthammer ein.

Bad Homburg – Wenn am Ewigkeitssonntag Menschen auf die Friedhöfe gehen, um ihrer Verstorbenen zu gedenken, werden viele Blicke auch wieder auf künstlerisch gestalteten Grabmalen haften bleiben. Wenn es nach dem Bad Homburg Steinmetz Gunther Seiffert geht, könnte die Vielfalt sogar noch viel größer sein. Von Norman Körtge

Viel Arbeit haben Gunther Seiffert und seine Mitarbeiter in die Verwirklichung dieses Grabmals für eine jungen Frau in Ober-Erlenbach gesteckt. Auf den 16 Würfelseiten sind unter anderem Charaktereigenschaften der Verstorbenen abgebildet.

Ich bin ein Kunst-Handwerker und kein Michelangelo“, sagt Gunther Seiffert von sich selbst. Soll heißen: Der Bad Homburger Steinmetz ist künstlerisch durchaus begabt, aber ein echter Bildhauer ist er eben nicht. Und die Freiheiten, die der italienische Renaissance-Künstler gehabt haben dürfte, hat der 46-Jährigen auch nicht ohne weiteres. Denn wenn zum Beispiel die weltberühmte David-Skulptur 30 Zentimeter höher geworden wäre, hätte sich mit Sicherheit auch keiner daran gestört. Dass ist auf deutschen Friedhöfen anders.

Es muss bestimmte Regeln und Vorschriften geben. Aber es sollte nicht alles reglementiert werden“, meint der Steinmetz-Meister. Solange keine Unfallgefahr bestehe und der Grabstein nicht anstößig ist, müsste es im Ermessensbereich des Handwerkers liegen. All zu oft habe er schon zwischen den Fronten gestanden: Auf der einen Seite der Auftraggeber, auf der anderen Seite die Friedhofsverwaltung. Manchmal gehe es nur Zentimeter. So mache es oft einen ästhetischen Unterschied, ob ein Grabstein 1,20 oder 1,50 Meter hoch sein darf. „Man muss das immer im Verhältnis zum Grab sehen“, sagt Seiffert. Die 30 Zentimeter Höhenunterschied jedenfalls könnten ein Grabstein weniger klotzig wirken lassen.

Mit Verhandlungsgeschick würden manchmal Ausnahmegenehmigungen erteilt. „Es ist schon passiert, dass ich einen Kunden weggeschickt habe, und ein anderer durfte es dann machen“, berichtet Seiffert. Deshalb sieht er es als positiven Schritt an, dass immer mehr Kommunen ihre Friedhofssatzung lockern – zuletzt die Stadt Eschborn.

Mit eingelassenen Glasornamente und Kombinationen aus Stein und Metall, zählt Seiffert zwei Varianten auf, die in manchen Friedhofssatzungen auf Grabmalen verboten sind, aber sehr effektvoll und individuell eingesetzt werden könnten. Der Wunsch nach Grabeinfassungen oder Grabplatten könne er manchmal auch nicht nachkommen. So waren etwa bis vor kurzem Grabplatten auf dem Frankfurter Hauptfriedhof verboten. „Ich rate immer erst einmal zu Bodendeckern. Aber wenn der Kunde eine Grabplatte wünscht, bekommt er sie auch“, sagt er. Wie so vieles ist eben auch dies eine reine Geschmackssache, so Seiffert – und über diese lasse sich bekanntlich trefflich streiten.

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