Steine gegen Vergessen

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Künstler Gunter Demnig hat drei Stolpersteine in Kriftel verlegt.

Kriftel – Als der Künstler Gunter Demnig die Idee zu den Stolpersteinen hatte, dachte er nie, dass diese Steine einmal so bekannt würden: „Das Projekt war für den Aktenordner gedacht.“ In Europa hat er rund 32.000 Steine vor Häusern gesetzt, in denen früher Juden lebten, die von den Nazis umgebracht wurden.

Doch nicht jeder ist von diesem Projekt begeistert: Seit der Verlegung der ersten Steine im Jahr 2000 hat Demnig drei Morddrohungen bekommen. Sorgen macht er sich deshalb allerdings nicht. Denn die meisten Menschen sind von der Idee der Stolpersteine gegen das Vergessen angetan. Das beweisen tägliche Briefe und Mails, die der Künstler bekommt.

Zwischen 220 und 300 Tagen ist Demnig jedes Jahr unterwegs, in 688 deutschen Kommunen hat er bereits seine Steine verlegt. Die bestehen aus einem Messingblech mit einer Gravur, die an die früheren jüdischen Bewohner des jeweiligen Hauses erinnert. Eingelassen sind die Messingbleche in Beton.

Auch nach all den Jahren ist diese Arbeit für Gunter Demnig keine Routine. Es seien immer besondere Momente, wenn er die Steine verlegt. Besonders, wenn Angehörige der Ermordeten eigens für diesen Anlass vom anderen Ende der Welt anreisen. „Da bekomme ich oft Gänsehaut“, sagt der gebürtige Berliner.

Demnig nennt die Stolpersteine eine soziale Skulptur, zusammen ergeben sie ein Gesamtkunstwerk. Zeit für andere künstlerische Projekte bleibt da nicht. Was als Projekt für den Aktenordner angefangen hat, ist für ihn längst zum Lebenswerk geworden. jule

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