Steht Eppertshausen bald ohne Hausarzt da?

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Neue Praxis am Franz-Gruber-Platz? Wenn es nach Bürgermeister Carsten Helfmann ginge, könnten diese freien Gewerberäume zu einer großen Arztpraxis umfunktioniert werden.

Region Rhein-Main – Der Gemeinde Eppertshausen könnte bald ein Ärztemangel drohen. Von den ehemals drei Hausärzten sind nur noch zwei übriggeblieben. Und die kommen langsam in die Jahre. Andere Kommunen stehen da schon besser da. Von Dirk Beutel

„Die Situation ist angespannt aber nicht dramatisch“, sagt Eppertshausens Bürgermeister Carsten Helfmann (CDU). Ursprünglich konnten die Bewohner der 6000-Seelen-Gemeinde zwischen drei Hausärzten wählen. Das ist seit einiger Zeit vorbei, denn einer der Mediziner, Wolfgang Trausmuth, gab Ende vergangenen Jahres seine Kassenärztliche Lizenz ab. Seit dieser Zeit behandelt er nur noch Privatpatienten.

Im Gegenzug mussten die beiden verbleibenden Ärzte ihre Sprechzeiten erweitern. Alles soweit kein Problem, meint Helfmann, so lange keiner von beiden mal krank werde oder in den Urlaub fahre. „Dann kann es durchaus problematisch werden“, sagt der Bürgermeister, der bereits Gespräche mit den beiden Allgemeinmedizinern geführt und deren Einverständnis habe, mindestens zwischen drei und fünf Jahren weiter zu praktizieren. Laut Helfmann seien beide Ärzte über 60 Jahre alt. Helfmann betont, dass Notfälle durch die Notdienstzentrale in Rodgau-Dudenhofen zu hundert Prozent abgedeckt seien.

Zumindest wurde die Rekrutierung eines weiteren Hausarztes längst zur Chefsache erklärt. Schließlich weiß Helfmann um die problematische Situation eines Neustarts. „Es gibt ja in dem Sinne keine Praxis und damit Patienten, die man übernehmen könnte. Der neue Arzt müsste sozusagen bei Null anfangen“, sagt Helfmann.

Laut Cornelia Kur, Sprecherin der Kassenärztlichen Vereinigung in Hessen, sei die Situation in Eppertshausen durchaus ein Thema. Besonders vor dem Hintergrund, dass beide Ärzte nicht mehr allzu lange praktizieren und es nicht so einfach scheint, einen Nachfolger zu finden.

Generell sei zwar der gesamte Landkreis Darmstadt-Dieburg gut mit Allgemeinmedizinern versorgt, weist aber hessenweit den niedrigsten Versorgungswert aus, weil derzeit 14 Arztstellen unbesetzt sind. Nirgendwo sonst in Hessen werden soviele Hausärzte gesucht. Nicht die Zahl der offenen Stellen sei entscheidend für die Bewertung der jeweiligen Versorgungslage, sondern das Verhältnis von Patientenaufkommen pro niedergelassenem Arzt, sagt Cornelia Kur.

In anderen ähnlich großen Gemeinden im Landkreis Darmstadt-Dieburg fühlt man sich hingegen tatsächlich gut versorgt. Im etwa gleich großen Otzberg gibt es drei Allgemeinmediziner, in Schaafheim sogar vier Arztpraxen (drei davon im neuen Ärzte- und Apothekenzentrum „Schaaz“). Dem kleineren Messel (knapp 4000 Einwohner) stehen, wie Eppertshausen, zwei Ärzte zur Verfügung.

Als Schmanckerl für einen Neuanfang kann sich Carsten Helfmann eine neue Praxis durchaus am zentral gelegenen Franz-Gruber-Platz vorstellen. Die freien Gewerbeflächen gegenüber des Lokals „Ciao Italia“ könnten zusammengefasst werden.

Übrigens: Eine Allgemeinmedizinerin soll Interesse an einer Praxis in Eppertshausen gezeigt haben, allerdings flatterte Anfang Februar eine Absage auf den Tisch des Bürgermeisters.

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