Ohne den Willen zu überleben geht gar nichts

Abenteuer Spessart Camp: Überlebenstrainer Stefan Kudela verrät, worauf es ankommt

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Überleben ist alles: Stefan Kudela zeigt den Teilnehmern des Spessart Camps wie man vernünftige Knoten bindet.

Nervenflattern, Hunger, Eiseskälte – das erwartet die Teilnehmer im Spessart Camp. Ihre einzige Hilfe ist Überlebenstrainer Stefan Kudela. Er lehrt die Truppe an ihre Grenzen zu gehen und einen Brühwürfel zu schätzen. Von Dirk Beutel

Ist es für einen Waldmenschen leichter im Großstadtdschungel zu überleben oder für einen Stadtmenschen im Wald?

Für einen Waldmenschen ist es sicherlich leichter in der Großstadt. Dort hat er alle Annehmlichkeiten, die er so braucht, ohne dass er sich großartig drum kümmern muss. Andersherum, ist der Großstadtmensch seinen Lebensstandard gewöhnt und, salopp gesagt, verweichlicht. Er hat regelmäßig seine Nahrung, seine Unterkunft und soziale Kontakte. Hingegen im Wald, hat er dies nicht mehr. Dann könnte es sehr schwierig werden.

Gibt es etwas, dass unerlässlich ist, um zu überleben?

Ohne den Willen zu überleben geht gar nichts. Die Grundeinstellung diesbezüglich ist unerlässlich. Man sollte sich nicht aufgeben und positiv eingestellt sein und je nach Region und Jahreszeit wissen, welche Prioritäten überlebenswichtig sind.

Welche sind das?

Die wichtigsten sind Unterkunft, Wärme, Wasser und zum Schluss erst die Nahrung. Der menschliche Körper kann locker bis zu drei Wochen von seinen eignen Fettreserven zehren – vorausgesetzt, ich habe genug zu trinken.

Welche werden wohl die größten Hürden für die Teilnehmer des Spessart Camps?

Der Verzicht auf das gewohnte Umfeld und Luxus. Sie müssen sich der Natur mit ihren ganzen Widrigkeiten stellen. Sie sollten lernen mit der Natur umzugehen. Einfache, grundlegende Dinge entscheiden über ihr Wohlbefinden. Meine Aufgabe wird sein den Teilnehmern Überlebensgrundsätze beizubringen. Sie werden lernen, Kleinigkeiten wie einen Brühwürfel oder warmes Wasser zu schätzen.

Erinnern Sie sich an die vergangene Staffel. Ist ihnen da etwas besonders in Erinnerung geblieben?

Enttäuscht haben mich die jüngeren Teilnehmer, die in den ersten Tagen mit der Situation, der Natur und dem ungewohnten Umfeld nicht umgehen konnten. Nachts kam es zu Angstattacken, sie würden erfrieren, weil ihr Körper die Kälte und die Situation nicht gewohnt war. Die verbliebenen Teilnehmer haben sich als Team gut zusammengerauft.

Sich draußen durchschlagen, Hindernisse überwinden, Feuer machen – alles Dinge, die man als Kind oder Jugendlicher gemacht hat. Ist die heutige Jugend immer noch so abenteuerlustig?

Früher haben wir mit Tannenzapfen oder Ästen gespielt und Hütten gebaut. Die heutige Jugend, so muss ich immer wieder feststellen, findet ihr Abenteuer in Computerspielen oder im Internet. Die Natur ist für sie ein Buch mit sieben Siegeln geworden.

Welche Vorteile bringt es, sich einem Überlebenstraining und der Natur zu stellen?

Man lernt für sich selbst zu sorgen und mit wenigen Hilfsmitteln sein Überleben für einige Zeit zu sichern. Dementsprechend ist es wichtig zu erkennen, dass man Luxus nicht braucht. Man braucht keinen Fernseher, kein Schnitzel oder ein Bett zum Überleben. Mit ganz kleinen und einfachen Dingen kann ich mir eine Art von Wohlstand im Wald herstellen.

Wie schneiden bei Ihnen hartgesottene Mannsbilder ab?

Die hartgesottenen Mannsbilder haben vielleicht oft im Wirtshaus am Stammtisch eine Riesen-Klappe. Wenn´s darum geht, etwas für eine andere Person zu tun ohne dass es einem selber gut geht, wird es für viele schwierig. Dann stellt man fest, dass die plötzlich ganz hinten anstehen.

Was bewirkt ein Überlebenstraining in einem selbst?

Man fühlt sich danach sicherer, einfach wohl mit einem besseren Selbstwertgefühl. Man weiß, Mensch, dass habe ich gepackt. Ich habe mich abseilen können, den Knoten gemacht, damit eine Brücke hält, bin unbeschadet über Wildwasser drüber, hab Nahrung aus der Natur selbst gesammelt und zubereitet und musste nicht zu einem Burger-Laden. Man bekommt einfach einen ganz anderen Blick fürs Leben #

Wenn man mal in ein mentales Loch gerät, wie kommt man da wieder raus?

Indem man die Initiative ergreift. Nicht einfach irgendwo sitzenbleiben, und gar nichts machen, dann geht´s einem schnell noch schlechter. Aufstehen und über seinen Schatten springen, das ist die Lösung. Weiter – immer weiter!

Gab es eine Überlebens-Situation, in der Sie nicht weiter wussten?

Es war zwar oft schwierig, aber dass ich gar nicht mehr weiter wusste, gab´s noch nicht. Ein äußerst ungewohntes Umfeld war der Dschungel in Französisch-Guayana. Da war ich ein Vierteljahr lang bei der Fremdenlegion. Die ganze Zeit unter höchster körperlicher Belastung. Da muss ich schon wissen, wie ich an Wasser komme und welches ich überhaupt trinken kann. Ich bin dort oft an extreme Grenzsituationen gestoßen, die ich aber gemeistert habe und das ist das Wichtigste.

Welche Ratschläge können Sie den Spessart-Camp-Teilnehmern mit auf den Weg geben?

Perfer et obdura, auf deutsch: „Halte durch und sei hart“. Die Teilnehmer sollen motiviert an die Sache herangehen und ein gewisses Durchhaltevermögen mitbringen. Wer weiß, was der Februar noch bringen wird. Sie müssen sich darüber im Klaren sein, dass es keine Garantie für die Wetterverhältnisse gibt, auch bei extremen Schwankungen bei Kälte, Wind und Regen. Da sollte jeder einzelne einfach auch mal die Hinterbacken zukneifen und an seine Grenzen gehen. Ich stehe ihnen mit Rat und Tat zur Seite und werde ihnen Tipps geben, wie sie solche Situationen bewältigen.

Info

Und so bewirbt man sich fürs Spessart Camp: Wichtigste Voraussetzung neben einer guten Gesundheit und Volljährigkeit ist, dass man zwischen dem 15. und 22. Februar Zeit haben muss, um beim Spessart Camp mitzumachen. Hinzu kommen ein oder zwei Vorbereitungstreffen, an denen unter anderem die Kleidung anprobiert wird. Wer sich zutraut, acht Tage lang in der Spessart-Wildnis zu leben, schickt eine E-Mail mit Foto und kurzer Bewerbung mit dem Betreff „Spessart Camp“ an gewinn@extratipp.com. Einsendeschluss ist Montag, 20. Januar, um zwölf Uhr. Mehr Infos zum gibt´s auch auf und www.primavera24.de.

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