Rechtsanwalt gibt Tipps rund um das Thema Testament und Erbe

So kriegen Sie auch Ihren letzten Willen

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Das eigene Testament birgt viele Fallen.
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Frankfurt - Der Tod ist kein beliebtes Thema am Kaffeetisch mit der Familie, dabei sollte das Ableben gut vorbereitet werden. Denn erst wenn etwas schief läuft, wenden sich Erben verzweifelt an Rechtsanwalt Stefan Günther. Damit das nicht passiert, gibt er hilfreiche Tipps.  Von Angelika Pöppel

Wenn es ums Erbe geht, machen Angehörige nicht einmal Halt vor Urkundenfälschung, Drohungen und Mord. Auch Rechtsanwalt Stefan Günther hat bereits tragische Fälle erlebt. Damit es nicht so weit kommen muss, sollte der letzte Wille korrekt geregelt werden. „Die Erben kommen meist erst zu mir, wenn es schon zu spät ist“, sagt der Profi, der seit 20 Jahren auf Erbrecht spezialisiert ist. Deshalb rät er: Ein Testament ist immer sinnvoll! Doch nicht erst im Alter sollte man sich Gedanken machen, sondern sobald geheiratet wird oder Kinder ins Spiel kommen.

So funktioniert´s!

Und auch wenn heute kaum noch jemand per Hand ein Schreiben verfasst – das Testament ist nur handschriftlich gültig. „Ein Testament, dass am Computer abgetippt und später nur unterschrieben wird, ist ungültig. Das wird immer mehr zu einem Problem“, sagt der Fachanwalt für Erbrecht. Die Unterschrift unter dem Testament sollte zusätzlich notariell beglaubigt und das Testament beim Nachlassgericht hinterlegt werden. Denn: „Viele Jahre später sind meist keine Schriftproben mehr vorhanden und das Papier wird leichter anfechtbar.“ Der Vorteil eines notariellen Testament: Beim Notar benötigt es lediglich ein Eröffnungsprotokoll, um den Erben zu ernennen, damit können lange Wartezeiten auf den Erbschein beim Amtsgericht erspart werden. Auf der sicheren Seite ist man damit auch, wenn das Papier beim Umzug oder beim Entrümpeln verschwindet. Übrigens: Auch vom Aufbewahren des handschriftlichen Testaments in einem Schließfach rät der Experte ab. „Wenn der vermeintliche Erbe das Fach öffnet, sich dann aber herausstellt, dass die Erbfolge doch anders ist, gilt das Testament nicht mehr.“

Ehepartner

Ein Testament ist auch bei Eheleuten sinnvoll. Doch aufgepasst: Wenn sich Eheleute mit einem gemeinsamen Testament gegenseitig als Erben eintragen, hat der Überlebende oft nicht das Recht später Änderung vorzunehmen. Wenn es aber noch gemeinsame Kinder gibt, rät der Rechtsanwalt keine Änderungs-Möglichkeit festzuhalten. Vor allem bei einem gemeinsamen Grundstück oder einem Haus sollte unbedingt ein Testament aufgesetzt werden. Denn Kinder ohne Regelung werden automatisch ins Grundbuch eingetragen, wenn es keine gibt, sind es die Verwandten des verstorbenen Ehepartners. „Wenn diese das Geld haben wollen, haben sie die Möglichkeit jeden Preis zu verlangen. Und sie können sogar mit einer Teilungsversteigerung drohen, auch wenn der Überlebende noch im Haus wohnt. Rein theoretisch könnten sie sogar verlangen mit im Haus zu wohnen. Da habe ich schon viele tragische Fälle erlebt“, sagt Günther.

Einer der häufigsten Fehler, die getrennt lebende Eheleute begehen, ist, sich nicht scheiden zu lassen oder einen gegenseitigen Erbverzicht zu vereinbaren. Damit ist der Ex-Partner trotz räumlicher Trennung voll erbberechtigt. Und auch wenn in einem Testament die Verteilung des Vermögens festgehalten ist, erhält der Partner seinen Pflichtteil.

Alternativen zum Testament

Doch auch nicht verheiratete Paare können über ihr Vermögen nach dem Tod verfügen – mit einem Erbvertrag. So können auch Lebensgefährten, Stiefkinder und Fremde – neben den Pflichterben – begünstigt werden.

Stefan Günther

Neben dem Testament und dem Erbvertrag gibt es eine weitere Alternative, die sogar steuerfrei ist: Die Schenkung. Schon vor dem Tod können Eltern soihren Kindern ihr Vermögen Stück für Stück übertragen und Freibeträge ausnutzen. „Auf diese Weise können alle zehn Jahre rund 400.000 Euro verschenkt werden – innerhalb von 30 Jahren könnten so theoretisch drei Häuser steuerfrei überschrieben werden“, sagt der Rechtsanwalt. Nur eines sollte dabei beachtet werden: Das Rückforderungsrecht festzuhalten. Ohne dieses Recht würde das Vermögen beim Tod des Kindes unter Umständen in fremde Händen fallen. Außerdem kann das Grundstück zurückgeholt und gesichert werden, wenn Kinder Insolvenz anmelden müssen. Genauso kann aber auch das Sozialamt Schenkungen der vergangenen zehn Jahre rückgängig machen, wenn die Eltern selbst mittellos werden.

Schulden erben

Die große Angst Schulden statt Vermögen zu erben, ist völlig unberechtigt. Denn auch wenn das Erbe zunächst angetreten wird, kann innerhalb von sechs Wochen vor dem Nachlassgericht die „Anfechtung der Annahmen der Erbschaft wegen Überschuldung“, erklärt werden. „Das funktioniert ohne Probleme“, sagt Günther. Deshalb rät er ganz klar: „Das Erbe auf keinen Fall vorschnell ausschlagen!“ Er selbst hatte erlebt wie Angehörige eines Frankfurters, der bescheiden in einer gemeinnützigen Wohnung lebte, sofort auf das Erbe verzichteten. Schön blöd! Denn im Keller entdeckten Mitarbeiter später Gemälde im Wert von 1,5 Millionen Euro.

Die Beerdigungkosten tragen dagegen immer die Angehörigen, auch wenn sie das Erbe nicht antreten.

Enterben

Einen Familienangehörigen zu enterben, ist dagegen schwieriger. Denn der Pflichtanteil steht ihm immer zu. Einzige Ausnahme: Der potenzielle Erbe hat den Erblasser bedroht oder versucht Papiere zu fälschen. „Das muss aber nachweisbar und im Testament genau dokummentiert werden“, erklärt Günther. Mit dem Verzeihen macht der Erblasser die Klausel wieder ungültig.

Angelika Pöppel

Angelika Pöppel

E-Mail:angelika.poeppel@extratipp.com

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