Staudinger-Streit: Jetzt raucht‘s!   Hanauer Trinkwasser verpestet?

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Das Kraftwerk Staudinger.

Hainburg/Hanau – Die Störfälle im Kraftwerk Staudinger häufen sich. Erst vor wenigen Tagen hatte sich erneut Kohle so stark erwärmt, dass eine Stinkwolke durch Hainburg gezogen war. Jetzt vermuten Umweltschützer, dass ein Bach durch Kohlestaub und Kühlwasser in den letzten Wochen so sehr verunreinigt wurde, dass die Trinkwasserqualität der Stadt Hanau möglicherweise gefährdet ist. Von Christian Reinartz

Der Hergerswiesenbach fließt am Kraftwerk Staudinger vorbei Richtung Hanau. Anwohner und Umweltschützer haben schon vor Wochen bemerkt, dass mit dem Bach etwas nicht stimmt. „Er führt viel zu viel Wasser“, sagt Winfried Schwab-Posselt von der Hainburger Bürgerinitiative Stopp-Staudinger. Seine Vermutung: Das Kühlwasser des Kohlekraftwerks versickert einfach im Boden und gelangt so letztendlich in den Bach. „Früher war der im Sommer immer ausgetrocknet“, sagt Schwab-Posselt: „Seit bei Staudinger gekühlt wird, ist er auf einmal voll.“ Zudem seien Sedimentablagerungen beobachtet worden. Das Schlimme: Der Hergerswiesenbach speist, vermutet Schwab-Posselt, letzten Endes auch die Trinkwasserbrunnen der Stadt Hanau.

Stadt soll bei ungewöhnlichen Pegelständen alarmiert werden

Und auch die Stadt Hanau ist mittlerweile vorsichtig geworden, hat auf die ungewöhnlichen Pegelstände reagiert. „Wir haben vereinbart, dass wir sofort informiert werden, wenn wieder ein ungewöhnlicher Pegelstand auftritt“, sagt Stadtsprecherin Güzin Langner. Inzwischen werde auch im städtischen Umweltamt darüber beraten, ob man eine Gewässerprobe entnimmt, um mögliche Staudinger-Sediment zu finden. Das würde allerdings noch diskutiert. Eines stellt sie jedoch unmissverständlich klar: „Wir werden immer die Interessen unserer Bürger vertreten.“

Winfried Schwab-Posselt hingegen sieht schwarz für Hainburg und Umgebung: „Wir haben diese Vorfälle gemeldet“, sagt er: „Aber das Regierungspräsidium hat offenbar wenig Interesse an der Aufklärung.“ Die Mitarbeiter hätten, so der Stopp-Staudinger-Mann, lediglich eine Sichtkontrolle des Bachs durchgeführt. Für Schwab-Posselt eine Farce: „Da wird gemauschelt was das Zeug hält. Hauptsache der Kraftwerksbetreiber bekommt keinen Ärger.“

Im Kraftwerk Staudinger stützt man sich darauf. Sprecherin Heike Walleter: „Von uns ist nichts in den Hergerswiesenbach gelangt.“

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