„Politische Korrektheit ist in Deutschland eine Farce“

Stand up Comedian Oliver Polak über den paradoxen Umgang mit Rechtsradikalen

+
Stand Up Comedian Oliver Polak macht die Zunahme rechtsradikaler Gewalt keine Angst.

Antisemitismus und Rassismus sind nur einige der Themen des jüdischen Stand up Comedian Oliver Polak. Er spricht über die Zunahme rechter Gewalt in Deutschland, die Flüchtlingskrise und warum er Frankfurt so liebt. Von Dirk Beutel

Sie sind ein Stand Up Comedian, den politische Korrektheit wenig kümmert. Darf man tatsächlich über alles und jeden Witze machen? Auch über Flüchtlinge und Rechtsextremismus?

Man muss über alles Witze machen dürfen. Wohingegen die political correctness in Deutschland eher als eine Farce daherkommt. Sie wird vielmehr als Argument benutzt, sich mit einem Missstand nicht auseinander setzen zu müssen. Ganz schnell heißt es: ‘Das ist aber nicht politisch korrekt.’ Dadurch wird aber die eigentliche Sache, um was es wirklich geht, gar nicht mehr verhandelt. Ich glaube schon, was das Flüchtlingsproblem betrifft, dass Deutschland, zumindest ist das mein Gefühl, sich das erste Mal mit der eigenen Identität auseinander setzt. Viele gute Sachen passieren, aber es kommt eben auch unheimlich viel Dreck hoch. Es gibt aber den Gegenentwurf zur AfD oder Pegida. Nämlich durch die Menschen, die die fremden Hilfesuchenden empfangen und die ein anderes Bewusstsein bekommen, dass wir hier nicht nur in Deutschland leben. Im Grunde badet das deutsche Volk gerade aus, was Leute wie etwa Sigmar Gabriel verursachen.

Was meinen Sie damit genau?

Das ist doch absurd. Erst trifft sich Gabriel mit Pegida, dann mit der iranischen Regierung und dann mit Til Schweiger. Welche Version von Tinder (eine App zum Flirten. Anm. d. Redaktion) hat der eigentlich? Das sind zum Teil Schwerverbrecher, mit denen unsere Regierung sich an einen Tisch setzt und Geschäfte macht.

Was fühlen Sie, wenn Sie die zahlreichen Pegida-Anhänger sehen und deren Parolen hören?

Was soll man dazu sagen? Jeder der einen einigermaßen normalen Verstand hat, kann über solche Leute nur den Kopf schütteln. Das ist alles äußerst fragwürdig. Man kann nur hoffen, dass das Gute überwiegt und am Ende siegen wird, durch eben solche Menschen, die durch diese Krise über sich hinauswachsen und Menschen helfen, die vor dem Krieg flüchten. Es ist zwar Erschreckend, aber trotz allem, wird einiges Negatives dableiben. Was willst du schon mit solchen Leuten machen? Aber ich finde, dass Angela Merkel das mit den Flüchtlingen jetzt erstmal durchziehen muss, auch als Zeichen an diese Menschen. Man weiß nicht, ob Deutschland die Menge an Flüchtlingen am Ende wirklich verkraftet, aber wir wollen ja gerade nicht so sein, wie die Ungarn zum Beispiel.

Allerdings scheint der rechte Mob allmählich auch die Mitte der Gesellschaft zu erreichen? Macht Ihnen das keine Angst?

Überhaupt nicht! Ich gehe mit so etwas durch meine eigene Familiengeschichte wohl anders um. Wenn es in Deutschland für mich unerträglich wäre, würde ich sofort meinen Koffer packen und in ein anderes Land ziehen.

Wo begegnet Ihnen heutzutage im Alltag noch Antisemitismus?

Natürlich ist es vor allem der arabische Antisemitismus aber teilweise ist er auch noch tief in der deutschen Gesellschaft verankert. Letztendlich versuche ich solche Anfeindungen oder Diskriminierungen zu ignorieren, weil es mich im Grunde nicht interessiert. Ich will entspannt durchs Leben gehen. Antisemiten kann ich ja eh nicht mehr retten.

Macht Sie die Masse an Flüchtlingen, von denen ein Großteil den islamischen Glauben hat, nachdenklich?

Das ist klar, dass diese Menschen aber auch schon teilweise welche die hier leben, mit einem homosexuellen und jüdischen Feindbild aufwachsen und das ist ein großes Problem. Man kann auch da nur wieder hoffen, dass unsere weltoffene Gesellschaft dafür stark und laut genug ist.

Finden Sie, dass die Gesellschaft durch das Aufkommen von Rechtsradikalen sensibler mit dem Thema umgeht?

Nein. Nehmen Sie doch einmal Köln. Dort wurde eine Bürgermeisterschaftskandidatin von einem Rechtsradikalen niedergestochen. Nach 24 Stunden ist das Thema wieder zu den Akten gelegt worden. Von der ganzen NSU-Geschichte ganz zu schweigen. So paradox ist der Umgang mit Rechtsradikalismus in Deutschland. Dann wiederum, nehmen Sie den kleinen Mohamed der vergewaltigt wurde. Da hat auch keiner der Moslems geschrien, dass die Deutschen alle Pädophile sind. Ich glaube, der Mensch an sich hat Gutes und Böses an sich, ganz gleich welcher Religion er angehört oder aus welcher Ecke der Welt er stammt.

Wie viel Aufklärung kann Stand Up Comedy in Zeiten wie heute leisten?

Ich glaube dass, Comedy sehr viel erklären und bewegen kann. Die Möglichkeit besteht durchaus, aber es muss nicht immer zwangsläufig so sein. Das muss man als Komiker selbst entscheiden. Es gibt ja genug dieser Pseudomoral-Comedy wie etwa von Dieter Nuhr oder Volker Pispers. Diese Lehrer, die sich auf die Bühne hinstellen und sagen, so und so ist die Welt, aber dann ihr eigenes Weltbild verkaufen. Ich sehe Stand up Comedy, dass ich von Dingen erzähle, die mich beschäftigen, die mich persönlich bewegen.

Sie kommen am 19. November mit ihrem Programm „Superbad“ nach Frankfurt. Sie haben mal gesagt, wenn die Stadt eine Frau wäre, würden Sie mit ihr flirten und ausgehen. Warum lieben Sie die Stadt am Main so sehr?

Ich kann es nicht sagen, aber dieses oder spätestens nächstes Jahr muss es soweit sein, dass ich mir ein Zimmer oder eine Wohnung dort nehmen werde. Die Stadt ist für mich das deutsche New York! Man blüht dort irgendwie auf, die Hessen sind supernett. Es gibt eine wahnsinnig interessante Mischung aus Popkultur, Multikulti, Bankern, Ghetto, Junkies, Nutten. Und es ist alles harmonisch, ehrlich und direkt.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare