Neue Ausstellung "Lichtbilder"

Städel zeigt Foto-Kunst aus 120 Jahren

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"Schwarz und Weiß“ heißt diese 1926 von Man Ray aufgenommene Fotografie.

Frankfurt - Die vermutlich erste Fotografie der Welt stammt aus dem Jahr 1826. 1837 entstand die Daguerreotypie – ein Fotografie-Verfahren, das sein Erfinder Louis Daguerre allerdings erst 1839 für praxisreif hielt. So kommt man 2014 auf das 175. Jubiläum der Erfindung des Lichtbilds.

 „Der reiche Bestand an Fotografien im Städel Museum wurde in den letzten Jahren vehement ausgebaut“, erklärt Direktor Max Hollein zur Eröffnung der Ausstellung „Lichtbilder. Fotografie im Städel Museum von den Anfängen bis 1960“. Über 1400 Fotografien sind aus der Sammlung der DZ-Bank und durch Erwerb der Konvolute von Uta und Wilfried Wiegand sowie Annette und Rudolf Kicken dazu gekommen.

Bereits 1845, also sechs Jahre nach der offiziellen Erfindung der Fotografie, war das Frankfurter Städel Museum das erste Kunstinstitut weltweit, das Fotografien ausstellte. Nun sind 160 Arbeiten im Obergeschoss des Ausstellungshauses in einer Sonderschau zu sehen. In neun chronologisch gegliederten Kapiteln beschäftigt sich die Exposi-tion zunächst mit Raffael-Reproduktionen, den sogenannten Raffael-Kartons. Der Künstler fertigte sie als Vorlagen für die Wandteppiche in der Sixtinischen Kapelle. Sie waren bereits 1859 und 1860 im Städel gezeigt worden. Fotografen wie Édouard Baldus, die Brüder Bisson, Frances Frith verlassen die Fotoateliers und gehen auf Reisen, um kulturhistorische Stätten im Lichtbild einzufangen. „Die Fotografen sahen sich als Künstler, signierten ihre Bilder. Leider wissen wir sehr wenig über die Lebenswege der ersten Fotografen“, erklärt Felix Krämer, einer der beiden Kuratoren. So gebe es vom Frankfurter Fotografen Sigismund Gerothwohl (1808 bis vor 1902) gerade einmal zwei erhaltene Fotografien, eine davon ist in der Ausstellung zu sehen. Fotografen eröffneten in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts Studios in touristischen Orten.

Den Frankfurter Fotografen Georg Sommer zog es beispielsweise nach Neapel, mit seinen pittoresken Darstellungen wurde er berühmt. Ein drittes Kapitel informiert über technische Verbesserungen; Farbfotografie, das Festhalten von Bewegungen, Großformate. Piktorialisten nannte man jene Fotografen, die den Kunstwert des neuen Mediums stärken wollten. Märchenszenen, Stillleben wurden abgebildet, Schärfe und Unschärfe eingesetzt, neue Druckverfahren ausprobiert. Der Erste Weltkrieg bildete eine Zäsur. Wie in der Malerei Ansätze der Neuen Sachlichkeit zu erkennen waren, gab es auch in der Fotografie die Tendenz zu einer nüchternen Bildgestaltung. August Sander, Hugo Erfurth und Albert Renger-Patzsch stehen exemplarisch für diese Richtung. Die frühe Fotopublizistik spielt in diesem Kapitel „Aufbruch und Umbruch“ ebenfalls eine Rolle. Anders gingen die Surrealisten vor. Ihre Arbeiten bewegen sich zwischen Fiktion und Wirklichkeit.

Man Ray ist einer der bekanntesten Vertreter dieser Gruppe. In den zum Teil symbolistisch anmutenden Arbeiten tschechischer Fotografen geht es um eine Ästhetisierung der erlebten Welt. Mit dem „subjektiven Blick“ schließt die Ausstellung ab. Im Mittelpunkt des neunten Kapitels steht die Gruppe Fotoform, die sich 1949 gründete: Peter Keetman, Siegfried Lauterwasser, Wolfgang Reisewitz, Toni Schneiders, Otto Steinert und Ludwig Windstosser. Sie setzten sich mit ihren Bildern für die Wahrnehmung des Fotografen als Künstler ein. Die Ausstellung im Städel Museum am Schaumainkai 63 ist bis zum 5. Oktober zu sehen. jf

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