Kelkheimer sind "Kümmerer"

Taunus: Hier haben Flüchtlinge Platz

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Auf der Flucht vor Gewalt und Terror in ihrer Heimat: Flüchtlinge aus Syrien, Pakistan und Afghanistan suchen im Main-Taunus-Kreis nach einem neuen Zuhause.

Taunus – Sorgen bei den Bürgern in Schwalbach und Bad Soden wegen neuer Unterkünfte für Flüchtlinge. Dagegen Gelassenheit in Kelkheim. Dort hat man mehr Menschen aufgenommen als man muss. Von Dirk Beutel

Während man in Bad Soden, in Schwalbach und Eschborn darüber streitet, wo man die für ihre Gemeinde zugeteilten Flüchtlinge unterbringt machen es die Nachbarkommunen vor. In Kriftel muss Platz für 29 Personen geschaffen werden. Doch dort weiß man: „Diese Zahl ändert sich analog zum Asylbewerberaufkommen“, sagt Kriftels Erster Beigeordnete Franz Jirasek: „Die Tendenz ist eher steigend.“ Deshalb richtet sich Kriftel schon jetzt auf 40 Flüchtlinge ein. So soll eine Unterkunft auf einem Grundstück hinter dem Friedhof an der verlängerten Richard-Wagner-Straße entstehen. Das Gelände ist 2635 Quadratmeter groß. Schon in den 90er Jahren schaffte Kriftel Platz für etwa 100 Flüchtlinge. Probleme gab es nicht: „Die Menschen sind hier freundlichen aufgenommen worden“, sagt Jirasek.

Kelkheim als positives Beispiel

Das wünscht er sich auch für die neuen Ankömmlinge. Um die Flüchtlingsfamilien soll sich ein Sozialarbeiter kümmern, dazu soll es einen Hausmeister geben. Zudem habe der Ausländerbeirat seine Hilfe angeboten, wie auch die evangelischen und katholischen Kirchengemeinden. „Damit soll eine schnelle Integration gelingen“, sagt Jirsek.

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Und noch ein positives Beispiel: Kelkheim bringt aktuell mehr Flüchtlinge unter, als es muss. Derzeit sind es 115 von eigentlich 76 Menschen. „Wir sind Kümmerer“, sagt Kelkheims Bürgermeister Thomas Horn. In seiner Gemeinde gibt es drei Unterkünfte, nicht konzentriert, sondern im Stadtgebiet verteilt. Er setzt auf eine gute überparteiliche Zusammenarbeit zwischen seiner Stadt, dem Ausländerbeirat und dem Kreis. „Türmt sich der Müll, wird dafür gesorgt, dass er wegkommt. Gibt es Probleme in der Nachbarschaft, gibt es Mitarbeiter, die sich derer annehmen. In diesem Zusammenhang lobt Horn die vorbildliche Arbeit des Ausländerbeirates. „Schließlich gibt es Konflikte in jeder Nachbarschaft in jeder Kultur“, sagt Horn, der es in seiner Amtszeit auch schon erlebt hat, dass aus solchen Situationen des Zusammenlebens Freundschaften entstanden sind.

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