Jetzt fliegen lassen

Riesige Drachen erobern den Himmel

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Region Rhein-Main – Den goldenen Herbst nutzen vor allem Familien, um bunte Drachen in den Himmel steigen zu lassen. Nicht immer ist das ein Kinderspiel. Der EXTRA TIPP zeigt, was zu beachten ist und weiß, das stablose Figuren sehr gefragt sind. Von Franziska Jäger

Wer zur Herbstzeit einen Drachen fliegen lassen möchte, der sollte sich kein Beispiel an Benjamin Franklin nehmen: Angeblich ließ der Gründervater der USA seinen Papierdrachen während eines Gewitters aufsteigen, um elektrische Ladung nachzuweisen.

Steigt heutzutage ein Drachen in die Luft, müssen bestimmte Sicherheitsvorkehrungen beachtet werden: Straßen, Strommasten und Bäume sollten außer Reichweite, ein Flughafen mindestens drei Kilometer entfernt sein. Bei der Wahl der Leine ist auf die Maximallänge von 100 Metern zu achten. Die Windverhältnisse sind essentiell für das Freizeitvergnügen. Doch Vorsicht: „Bei zu hoher Windgeschwindigkeit wird das Drachenfliegen zum Kraftakt“, sagt Jan Machacek, Vorsitzender des Rodgauer Drachenclubs Aiolos. Gerade kleine Kinder könnten dann von dem Fluggerät über die Wiese gezogen werden. „Das Fliegen lassen funktioniert auch bei wenig Wind – dann muss man eben mehr laufen“, sagt Machacek. Er und seine Kollegen stehen daher auch das ganze Jahr über auf der Wiese.

Am einfachsten glückt der Start mit Hilfe einer zweiten Person. Diese kann bei gespannter Leine den Drachen in den Wind halten, bis er getragen wird. Für entspanntes Drachenfliegen empfiehlt der Experte einen Einleiner mit geringerer Spannweite. Der einfache Aufbau und kürzere Leinen bis zu 50 Metern machen auch Kindern das Bedienen leicht. Von den günstigen und kurzlebigen Plastikmodellen aus dem Supermarkt rät Machacek ab: „Die Drachen sind zu klein und die Gestänge zu schwer. 50 Euro sollte man schon investieren, damit man lange Freude an seinem Drachen hat.“

Königsdisziplin mit vier Leinen

Höheres Geschick und mehr Kraft erfordern die zweileinigen Lenkdrachen mit Spannweiten zwischen zwei und vier Metern. Mit etwas Übung können diese aber auch von Einsteigern gelenkt werden. Die Königsklasse bilden die in alle Richtungen lenkbaren Stabdrachen mit vier Leinen. Aufgrund ihrer hohen Geschwindigkeit sollten sie nur von erfahrenen Lenkern gehalten werden.

Daneben kennt auch der Drachensport Modeerscheinungen. „Stablose Figuren in allen Formen sind zurzeit sehr gefragt“, sagt Machacek. Sein Verein bietet Workshops zum Drachenbauen an. Aus 40 Quadratmetern Stoff ist zuletzt ein fünf Meter hoher Leuchtturm entstanden. Solche fliegenden Kunstwerke seien aber nicht so einfach nachzubasteln, sagt Machacek. Auf seiner Homepage www.drachenclub-aiolos.de bietet der Rodgauer Verein Veranstaltungsinfos und Anleitungen zum Selberbauen.

Das klassische Drachenviereck können geschickte Bastler schon mit Backpapier, Holzleisten und Leim nachbauen. Auf den Metalldraht aus Franklins Blitzexperiment sollte der lebensbejahende Drachenlenker aber unbedingt verzichten.

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