Autohändler kämpft mit den Folgen der Abwrackprämie

Der Staat macht ihm sein Geschäft kaputt

Offenbach-Post

Rhein-Main - Frankfurt – Seit über 35 Jahren handelt Hans-Joachim Schwanzl mit gebrauchten Autos. Höhen und Tiefen gab es immer. Aber die Umsatzeinbrüche seit einem Jahr hat selbst er noch nie erlebt. Von Andreas Einbock

Dem Autohändler in der Hanauer Landstraße 106 fallen dazu nur drei Worte: Wirtschaftskrise, Abwrackprämie, Katastrophe. „Ich hatte natürlich einen Rückgang eingeplant, aber gehofft, dass sich die Lage nach ein paar Monaten normalisiert. Doch nun habe ich immer noch jeden Monat bis zu 70 Prozent Verlust“, sagt der gelernte Betriebswirt. Nüchtern analysiert Schwanzl die Situation nach Ablauf der Umweltprämie: „Die Kunden bleiben weiterhin weg und leisten sich unbedingt einen Neuwagen. Einige haben sich überschuldet. Ein gepflegter Gebrauchtwagen mit Service wäre für viele besser.“

Verärgert ist der Autoliebhaber über den volkswirtschaftlichen Schaden durch die Umweltprämie: „Was da an Werten und guten Fahrzeugen zerstört wurde, tut wirklich weh.“ Genau diese Autos würden dem Markt nun fehlen, was die Preise nach oben treibe. Allein durch seinen guten Namen, Stammkunden, angepasste Preiskalkulationen und zusätzliche Serviceleistungen könne er nicht mehr überleben. Dabei fing sein Geschäft gut an. Mit 3000 D-Mark machte der gebürtige Oberhesse 1974 sein Hobby zum Beruf. Nach zehn Jahren hatte er den größten Gebrauchtwagenmarkt im Rhein-Main-Gebiet: Acht Autoplätze mit 250 Autos und elf Verkäufern. Heute gibt‘s nur noch den einen gegenüber der U-Bahnstation Ostbahnhof und vier Mitarbeiter.

Trotz Krise sucht Schwanzl Verstärkung für sein Team, um das hochpreisige Segment und das „best practice“-Modell auszubauen, bei dem Fahrzeuge mit bestimmter Ausstattung besorgt oder Autos für die Kunden verkauft werden. Ein paar Monate will er die Entwicklung abwarten. Sollte sich keine Verbesserung am Markt einstellen, könne es auch ganz schnell gehen: „Dann werde ich mein Geschäft schließen und schöne Reise machen.“

Den Autos würde der 62-Jährige treu bleiben und aus dem Beruf wieder ein Hobby machen. „Ich liebe Oldtimer aus den USA. Meine Fühler nach Amerika habe ich schon ausgestreckt.“

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