Sportlicher Hunde-Spaß ohne Leckerlis und Leine

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Trainerin Silvia Franke-Beichert visiert beim Absprung von Dusty bereits das nächste Hindernis an, das der Hund bewältigen soll.

Friedrichsdorf – Agility ist mehr als nur Spaß mit dem Hund. Schnelligkeit und Beweglichkeit werden vom Vierbeiner ebenso gefordert wie Gehorsam. Meist reichen kurze Bewegungen von Herrchen oder Frauchen aus, und der Hund weiß, welches Hindernis er überwinden muss.  Von Ingrid Zöllner

Seit rund zwölf Jahren bietet der Schutz- und Gebrauchshundeverein (SGV) Köppern diese Sportart an. Paula sitzt schon ganz ungeduldig an der Startlinie. Vor der sechsjährigen Mix-Hündin liegt ein Parcours mit verschiedenen Hindernissen wie Tunnel, Hürden und Slalom. Auf ein Handzeichen von Bernhard Wehrenfennig jagt die Hündin los. In atemberaubendem Tempo springt sie über die ersten Hindernisse, schießt durch den grünen Tunnel und schlängelt sich durch den Slalom aus gelben und roten Stangen. Parallel zu ihr läuft der Agility-Obmann des SGV mit, er leitet seinen Hund durch Zeichen an, die Paula bedeuten, welches Hindernis als nächstes folgt. Pfeilschnell haben beide den Parcours hinter sich gebracht, was Paula ein Lob von ihrem Herrchen einbringt.

Agility sieht einfach aus, ist es aber nicht. „Der Besitzer muss im richtigen Moment das Richtige tun“, sagt Silvia Franke-Beichert, die mit Brigitte Faulstich ebenfalls Agility-Trainerin beim SGV ist. Zum einen kommt es darauf an, die Aufgaben sauber und fehlerfrei zu bewältigen. Zum anderen müssen beide Spaß daran haben. Das ist bei den Hunden in den drei Trainingsgruppen der Fall. Die Tiere sind teilweise ganz ungeduldig, bis sie endlich durch den Parcours dürfen.

Bei all der Hektik muss der Hund aber mitunter gebremst werden. „Je nach Hund hält der Besitzer Abstand zum Hindernis und steuert rechtzeitig das nächste an, um dem Hund den Weg zu weisen, sonst nimmt er das falsche Hindernis“, erklärt Franke-Beichert. Die Verständigung klappt nicht immer. Dennoch kann nur der Besitzer mit seinem Hund trainieren: „Es sind seine Zeichen, auf die der Hund reagieren soll.“

Das Tier liest die Handzeichen des Besitzers

Vom Prinzip her gleicht Agility dem Pferdespringsport. Bevor es losgeht, ist Aufwärmen angesagt. Danach wird der Parcours zusammengestellt und abgegangen. Dabei muss sich der Besitzer nicht nur die Reihenfolge genau einprägen, sondern auch überlegen, wo er Zeichen gibt. „Bevor jemand mit seinem Hund einen Parcours geht, trainiert er erst die einzelnen Sequenzen“, sagt Wehrenfennig. Dort können Fehler am ehesten ausgemerzt werden. „Der Schwerpunkt ist in jedem Fall die Führtechnik“, sagt der Obmann. Die funktioniert weniger über Sprache als über Zeichen. „Der Hund liest und erkennt das viel schneller.“ Über eine gewisse Grundkondition sollten sowohl Hund als auch Mensch verfügen.

Rund zwei Jahre dauert es mit ein bis zwei Trainingseinheiten wöchentlich, bis ein Parcours mit 22 Hindernissen gemeistert werden kann. Geeignet fürs Agility sind schlanke und wendige Hunde. „Bernhardiner oder Doggen sind zu groß und zu schwer“, erklärt Wehrenfennig. Besonders gut dagegen machen sich Border Collies und Australian Shepherds bei der Sportart. Ausnahmen gibt es natürlich immer. „Anfangen mit Agility kann man, wenn der Hund etwa ein halbes Jahr alt ist, am besten aber, wenn das Wachstum abgeschlossen ist“, sagt Franke-Beichert.

Beim SGV trainiert auch eine Wettkampfgruppe, die an Turnieren teilnimmt. Drei Größen- und drei Leistungsklassen gibt es beim Agility: Nach der Schulterhöhe des Hundes richtet sich die Hindernishöhe. Für die Abstände und Höhen gibt es Richtlinien. Beim Turnier absolviert der Vierbeiner den Hindernislauf ohne Halsband und Leine, Leckerlis und andere Hilfen sind verboten. Ein eigenes Turnier organisiert der Verein am Pfingstsonntag, 27. Mai, ab neun Uhr auf dem Vereinsgelände (an der L 3401 Richtung Usingen).

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