Kommunen verzichten zunehmend auf Medaillen

Wie lange können Städte ihre Sportler noch ehren?

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Trübe Aussichten: Wie viel sind den Kommunen in der Region ihre Erfolgssportler noch wert?

Region Rhein-Main – Von wegen Medaille und Ehrennadel bei der städtischen Sportlerehrung. Einige Kommunen specken ihre Galaabende gehörig ab. Grund sind vor allem leere Haushaltskassen und Sparzwänge. Von Dirk Beutel und Dana Moser

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Man setzt sich ein Ziel, trainiert, will aufgeben, rafft sich wieder auf und schafft es: Man erkämpft sich den lang erträumten Titel in seiner Sportart. Nach dem Gewinn gehörte es für eine Stadt dazu, seine verdienten Sportler, meist im Frühjahr, nocheinmal gesondert in ihrem Namen zu ehren. Doch der Sparzwang greift nach immer mehr Kommunen, besonders diejenigen, die die Hilfe des kommunalen Rettungsschirms in Anspruch genommen haben. Erster Posten auf der Streichliste sind immer die freiwilligen Leistungen. Beispiel Kassel: Top-Athleten, darunter Teilnehmer an Welt- und Europameisterschaften erhalten Gutscheine im Wert zwischen 35 Euro und 25 Euro, statt der Anstecknadel für besondere Leistungen und Verdienste im Sport. So könne man flexibler auf die Haushaltslage der Stadt reagieren.

Seit 15 Jahren keine Ehrungen mehr

Das Problem kennt die Schutzschirm-Kommune Hattersheim. Dort werden bereits seit über 15 Jahren keine erfolgreichen Sportler mehr geehrt. „Das hängt natürlich mit Kostengründen zusammen“, sagt Stadtsprecher Stefan Käck. Ausgenommen seien allerdings außergewöhnliche Erfolge. Diese würden in einem bunten Abend entsprechend gefeiert. Ähnliches Bild in Bad Soden: Dort werden zwar noch jedes Jahr Sportler ausgezeichnet, jedoch mit dem Schwerpunkt auf die Leichtathleten, die sich das Deutsche Sportabzeichen erkämpft haben. „Diese Sportler bekommen an einem Abend, der etwa zwei Stunden dauert die Urkunde und das Abzeichen verliehen“, sagt der Kulturamtsleiter Marc Nördinger. Eine spezielle Auszeichnung der Stadt gebe es nicht. Wenn ein Einzelsportler oder eine Mannschaft, wie aktuell die Synchronschwimmer, die bei den Europameisterschaften die Bronzemedaille geholt haben, besondere Leistungen erbracht habe, werden auch diese zu diesem Abend eingeladen. Eine gesonderte Ehrung gebe es nicht. Nördinger: „Generell wurde der Aufwand für diesen Abend aus Kostengründen heruntergefahren.“

Alle zwei Jahre

In Hofheim spart man ebenfalls. Nur etwas anders: Dort werden die verdienten Sportler der Stadt nur alle zwei Jahre ausgezeichnet, und zwar immer in Sporthallen der Vereine. Stadt-Sprecherin Iris Bernardelli: „Die Sportler bekommen eine Urkunde und ein kleines Präsent, dazu Getränk und einen Imbiss.“ Ob es dabei bleiben wird ist fraglich. „Wir würden die Ehrungen gerne so weitermachen. Doch laut des Herbsterlasses von Hessens Innenminister Peter Beuth, sind freiwillige Leistungen auf Null zu fahren, wenn alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft wurden. Im Zuge der Haushaltsberatungen werden wir sehen, ob Mittel weiter zur Verfügung gestellt werden können“, sagt Bernardelli. Aber es gibt auch ein positives Beispiel. Die Stadt Oberursel hält an ihrer traditionellen jährlich stattfindenden Sportlerehrung mit Medaillen und Urkunden weiter fest. „Das wollen auch weiter beibehalten“, sagt Sprecherin Nicole Horn.

Keine Ehrungen in Dieburg

In Dieburg  ist man mittlerweile soweit, dass gar keine Sportlerehrungen mehr stattfinden: „Wir machen das schon seit ein paar Jahren nicht mehr. Einfach weil die Sportler kein großes Interesse daran haben“, erklärt Ulrike Posselt, Pressesprecherin der Stadt. „So eine Sportlerehrung ist mit viel Aufwand verbunden, ein Empfang muss vorbereitet werden, dann gibt es ein Essen.“ Außerdem würden die Sportler vor Ort direkt nach dem Wettkampf ausgezeichnet und die Vereine würden ihren Mitgliedern auch einen Empfang bereiten. „Bis wir dann mit unserer Feier der Stadt Dieburg dran wären, liegt der Titelgewinn meist schon Monate zurück. Und: Es ist auch eine Sparmaßnahme der Stadt, das stimmt schon.“

Thermoskanne statt Medaille

Anders in Neu-Isenburg: Hier findet einmal im Jahr der bunte Abend des Sports statt und da gibt es auch Sachpreise: „Zur Ehrung unserer Sportler mit Wohnsitz in Neu-Isenburg oder aus Isenburger Vereinen gibt es immer eine Urkunde und eine Kleinigkeit. Das kann eine Medaille , aber auch eine Thermoskanne mit Gravur sein,“ erklärt Cornelia Döbel, Sprecherin der Stadt. In Groß-Umstadt pflegt man dagegen weiter die Tradition: „Wir haben seit vielen Jahren die sogenannte Sportler-Gala in Groß-Umstadt“, sagt Reiner Michaelis, Sprecher der Stadt. „Hier werden alle erfolgreichen Sportler des vergangenen Jahres geehrt – von einer guten Platzierung beim Geflügelzüchter-Wettbewerb bis hin zum Weltmeistertitel.“ Ein Showabend mit Live-Musik in der Groß-Umstädter Stadthalle. „Bürgermeister Joachim Ruppert zeichnet die Sportler mit Medaillen und Urkunden aus. Die haben bei uns schon lange Tradition und die werden wir auch künftig beibehalten. Da sind wir konservativ“, sagt Michaelis lachend. Auch in Rodgau  ehrt man alle Erfolgs-Sportler an einem Abend. „Wir veranstalten die Vereins-Gala, bei der wir alle Titelträger aus Rodgau auszeichnen“, sagt Simone Jäger von der Stadt. „Das machen wir schon immer so. Da finden Auszeichnungen statt mit verschiedenen Ehrennadeln und Urkunden. Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir irgendwann auf Sachpreise umsteigen.“ Das kann sich auch Manfred Ginder vom Sportamt der Stadt Offenbach nicht vorstellen: „Die Ehrennadeln und Medaillen, die es bei unserer Sportgala im Offenbacher Capitol gibt, haben vor allem ideellen Wert. Die sind eine Erinnerung an einen besonderen Tag in einem Sportler-Leben.“ In Offenbach setzt man auf Tradition und veranstaltet jährlich einen Abend, an dem den erfolgreichen Sportlern einiges geboten und Medaillen überreicht werden.

 

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