Spielzeugauto als Rennwagen

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Marcel Paul heizt auf der Rennstrecke hinterm Haus einen Feldweg hinunter.

Bad Soden – Sein Rennauto ist nur 70 Zentimeter lang, hat weder Gas- noch Bremspedal und fährt völlig ohne Sprit: Marcel Paul kommt trotzdem auf über hundert Stundenkilometer. Auf seinem Bobbycar ist der Altenhainer sogar Weltmeister. Von Andreas Einbock

Begleitet von einem dumpfen Brummen saust Marcel Paul einen Feldweg hinunter. Nur das Lenkrad zwischen seinen Beinen lässt erahnen, wie klein sein Rennwagen ist. „Die Form ist so wie beim Original Bobbycar. Nur der Unterboden ist mit Gewichten beschwert“, sagt der 18-jährige Fachabiturient, der sich auf die neue Saison mit WM-Läufen und Europameisterschaft vorbereitet. Der erste Höhepunkte steht mit der Deutschen Meisterschaft gleich beim Saisonstart am 21. und 22. Mai in Silberg an. „Das wird mein erstes Rennen bei den Erwachsenen sein. Da will ich natürlich den Titel“, sagt der dreifache Jugendweltmeister. Die DM ist gleichzeitig der erste WM-Lauf, dem sieben weitere Rennen in Deutschland folgen.

Heimischer Hof als erste Rennstrecke

Marcel Paul.

Schon als Kleinkind war der heimische Hof die erste Rennstrecke. „Da ist er ordentlich rumgerollt und hat die Schuhe kaputt gemacht“, erinnert sich Marcels Mutter Barbara. Mit elf Jahren bastelt Paul mit Kumpels an seinem Spielzeugauto. Keine Hangstraße im Ort war vor ihm sicher. „Ich habe mich sogar älter geschummelt, um mit den umgebauten Bobbycars fahren zu dürfen“, sagt Paul. Auf Anhieb wird er 2005 Dritter bei der Hessenmeisterschaft. Die haben sie im letzten Jahr selbst in Altenhain ausgerichtet. „Das war klasse. Es waren 100 Fahrer dabei. Die Strecke ging mitten durch den Ort. Und wir hatten an dem Wochenende 2000 Zuschauer“, so Paul.

Neuer Geschwindigkeitsrekord angepeilt

Doch die heimischen Wege genügen nicht mehr fürs Training. In der Wetterau rollt es sicher besser. Paul: „Die Strecke bei Gedern hat 18 Prozent Gefälle und ist fünf Meter breit. Ideal für einen neuen Geschwindigkeitsrekord.“ Der liegt momentan bei 112 Stundenkilometern und soll beim „Festival of Speed“ im Juli geknackt werden.

Das Geheimnis liege im richtigen Bremsen. „Einige kleben sich Auto- oder Motorradreifen unter die Schuhe. Aber das stinkt mir zu sehr. Richtig flach aufsetzen reicht aus“, sagt Paul und ergänzt: „Aber ohne die richtige Gewichtsverlagerung und flaches Auflegen, gewinnt man auch nichts.“ Genau darin liege seine Stärke. Im Rennen macht er sich so flach, dass er nur noch durch oder unter dem Lenkrad hindurchschaue.

Weitere Infos gibt‘s unter www.bobbycarclub-altenhain.de

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