Von der Kreisbau-Aufsicht ungerecht behandelt?

Zank um Spielturm in Dreieich

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Ernst-Joachim Spies am teilweise schon zurückgebauten Spielturm in seinem Garten. Vor dem Rückbau gelangten seine Enkel über eine Strickleiter auf das Dach.

Dreieich – Im Pappelweg  in Sprendlingen eskaliert der Streit um einen Spielturm. Mittlerweile droht ein Zwangsgeld in Höhe von 3000 Euro. Von Norman Körtge

Ernst-Joachim Spies  hat einen Garten wie ihn Kinder lieben. Dicht bewachsen mit Bäumen und Hecken, teilweise zugewuchert. Ungewöhnlich für einen Reihenhausgarten im Pappelweg, aber für die Enkel des Sprendlingers ein Abenteuerspielplatz. Der sollte gekrönt werden mit einem Baumhaus. „Die Idee kam vor genau einem Jahr“, erinnert sich der ehemalige Philosophie-Dozent an der Frankfurter Uni. Gesagt, getan: Auf einer 120 mal 120 Zentimeter großen Grundfläche zimmerte der Rentner einen Turm in die Höhe. Inklusive Geländer erreichte er die stattliche Höhe von 3,90 Metern. „Mit einer Strickleiter konnten die Kinder hoch“, erzählt Spies. Doch die Freude währte nur einen Sommer und einen Herbst. In diesem Frühjahr kam ein Schreiben der Kreis-Bauaufsicht. Tenor: Das von Spies so bezeichnete Baumhaus ist nicht rechtens. Zu hoch, zu nah an der Grundstücksgrenze und es liegt keine Zustimmung des Nachbarn vor. Letzteres scheint der Auslöser für das Einschreiten des Kreis-Bauamtes zu sein, denn der Garten von Spies ist ansonsten nicht einsehbar. „Dass mit dem zu nah an der Grenze ist lachhaft. Hier hat jeder seine Gartenhütte auf die Grenze gesetzt“, sagt er und verweist auf das Areal zwischen Pappelweg und Lindenstraße. Und nur ein paar Häuser weiter steht ebenfalls ein hölzerner Spielturm. „Ich möchte nur gleiches Recht für alle und keine Willkür“, sagt Spies.

Kreis Offenbach: Es handelt sich um ein Spielgerät

Von Seiten des Kreises ist zumindest der Fall Spies eindeutig. Zum einen handelt es sich nicht um ein Baumhaus, da es sich nicht in einem Baum, sondern auf dem Gartenboden befindet. Daher ist es ein Spielturm, also ein Spielgerät. Und egal ob Baumhaus, Spielgerät oder Gartenhütte, alles „untersteht der Baugesetzgebung“, sagt Kreis-Sprecherin Ursula Luh. Derzufolge dürfen genehmigungsfreie Spielgeräte nicht höher als zwei Meter sein, Gartenhütte maximal 30 Kubikmeter Raum umschließen. Also etwa eine Grundfläche von drei auf vier Metern haben und 2,50 Meter hoch sein. Vor zwei Jahren bereits habe Spies eine Oberbaurätin auf den „Wildwuchs“ in den Gärten aufmerksam gemacht. Passiert ist nichts. Wahrscheinlich auch deshalb, weil die jeweiligen Nachbarn im Frieden miteinander leben. Doch die Bauaufsicht möchte sich die Lage vor Ort noch einmal ansehen. Rückbau droht in vielen Gärten. Und wer sich weigert? Ernst-Joachim Spies wird derzeit ein Zwangsgeld von 3000 Euro angedroht.

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