Keiner bekommt ein Smiley

Spielstraßen-Test: Kein Auto schafft Tempo sieben

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Der Transporter schafft in der Spielstraße gerade mal Tempo zehn.

Region Rhein-Main – Erster Gang, Kupplung – langsamer geht’s eigentlich nicht. Doch das ist für Spielstraßen immer noch zu schnell. Der EXTRA TIPP hat den Test gemacht: Wer Tempo sieben fährt, macht auf Dauer die Kupplung kaputt. Von Christian Reinartz

Das Käfer schafft in der Spielstraße gerade mal Tempo neun.

Was sich der Gesetzgeber dabei nur gedacht hat... Selbst ein alter VW Käfer mit 34 PS schafft’s nicht mal, die geforderten sieben Stundenkilometer innerhalb von Spielstraßen einzuhalten. Er kommt im Standgas im ersten Gang auf immerhin Tempo neun. Genauso sieht’s beim EXTRA TIPP-Mobil aus. Der Smart forfour knackt ebenfalls die Schrittgeschwindigkeitsgrenze. Sobald die Motoren größer werden, werden auch die Fahrzeuge im Standgas schneller. Ein Lieferwagen schafft es nicht unter zehn, ein Volvo V60 mit 163 PS rollt sogar mit zwölf Stundenkilometer durch die Spielstraße. Schrittgeschwindigkeit ist was anderes. Beim Spielstraßentest  am Heusenstammer Bahnhof, wo die Stadt zur Zeit eine Geschwindigkeits-Messtafel aufgestellt hat, gab’s deswegen auch nur traurige Smiley-Gesichter für zu schnelles Fahren. Einen lachenden Smiley zeigt die Tafel erst bei sieben Stundenkilometern und weniger an. „Aber das geht gar nicht“, sagt EXTRA TIPP-Redaktionsleiter Axel Grysczyk. „Da müsste man schon die Kupplung schleifen lassen, um auf den geforderten Wert zu kommen.“ Das ist für kein Auto gesund. Denn wer die Kupplung schleifen lässt, nutzt sie übermäßig ab – und das kann richtig teuer werden.

Keiner schafft ein Smiley

Das EXTRA TIPp-Auto schafft in der Spielstraße gerade mal Tempo neun.

Cornelius Blanke, Sprecher des ADAC Hessen-Thüringen  warnt: „Die Kupplung wird über Gebühr beansprucht.“ Allerdings fahre man ja so nur verhältnismäßig kurze Strecken. Wer das allerdings täglich mehrmals mache, belaste seine Kupplung sehr. Die Regelung mit der Schrittgeschwindigkeit bezeichnet Blanke als kurios. „Da wird etwas vorgegeben, das sicherlich nachvollziehbar und richtig ist, aber in der Praxis nicht umzusetzen ist.“ In den Ordnungsämtern der Region hat man das Problem offensichtlich erkannt und billigt den Fahrern einen gewissen Spielraum zu. „Der Gesetzgeber in Hessen hat erlassen, dass in Spielstraßen erst ab Tempo zehn gemessen wird“, erklärt der Offenbacher Ordnungsamtsleiter Peter Weigand. Dazu komme eine Anordnung, dass Verstöße erst ab fünf Stundenkilometern plus der Toleranz von drei geblitzt werden dürfen. „Es gibt also erst ab Tempo 19 einen Strafzettel“, sagt Weigand. Karl-Heinz Kühnle, Leiter des Heusenstammer Ordnungsamts nimmt’s mit Humor: „Der Test deckt sich mit meiner Beobachtung. Ich glaube hier hat es noch niemand geschafft, einen lachenden Smiley zu bekommen.“

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