Frankfurter Universität sucht Betroffene für Studie

Soziale Phobie: Die Angst, sich zu blamieren

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Sie haben Angst, dass ihnen etwas Peinliches passiert: Wer unter unter einer sozialen Phobie leiden, zieht sich von der Außenwelt nahezu komplett zurück.

Frankfurt – Sie haben Angst sich zu blamieren oder noch schlimmer, zu versagen. Menschen, die unter einer sozialen Phobie leiden, graut es davor, mit anderen Menschen in Kontakt zu treten, mit ihnen zu reden oder zu telefonieren. Von Dirk Beutel

Die Folge: Sie leben zurückgezogen und isoliert, und dass, obwohl sie trotzdem das Bedürfnis nach Freunden oder einem Partner in sich tragen.

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Schwitzen, Zittern, Herzrasen oder Panikattacken: Sobald ihnen ein menschlicher Kontakt zu eng wird. Sie sind nett, freundlich, leben aber zurückgezogen, allein und fallen kaum jemanden auf: Menschen, die an einer sozialen Phobie leiden. Ihre einzige Rettung ist der Rückzug vom echten Leben. Sie verkriechen sich in ihrer Welt, zu Hause, allein und meiden jeden menschlichen Kontakt. Diese Form der Angststörung bricht meist in der Pubertät aus. Betroffen sind vor allem Mädchen. Wen es ganz schlimm getroffen hat, kann später noch nicht mal eine Arbeit aufnehmen. Sogar eine Einladung zu einer Party jagt ihnen wahre Angst ein.

Zwei Therapieansätze für Betroffene

In der Wissenschaft handelt es sich bei dieser Form der Phobie um ein noch junges Feld. Jihong Lin von der Abteilung Klinische Psychologie und Psychotherapi e an der Universität Frankfurt untersucht in einer langjährig angelegten Studie, wie man den Betroffenen helfen kann. Bislang gibt es zwei Therapieansätze. Eine Behandlung dauert im Schnitt vier Monate. Der Kern des Erfolgs ist der eigene Wille, sich und sein Verhalten zu ändern, zu verbessern. Lin untersucht 14- bis 21-Jährige.„Bei ihnen gibt es die größten Therapiechancen. Bei Erwachsenen herrscht das Risiko, dass sie in ihren Angewohnheiten zu verhärtet sind. Sie haben für nahezu jede Alltagssituation eine für sie erträgliche Lösung gefunden.“

Phobie verringert Lebensqualität

Trotzdem verringert die Phobie und die damit verbundene Isolation extrem die Lebensqualität. Und sie kostet Zeit:„Es gibt Patienten, die unglaublich lange eine Situation auseinandernehmen und sich die Folgen, wenn sie versagen, ausmalen“, sagt Lin. Trotzdem: Wer an einer solchen sozialen Phobie leidet, hat das Bedürfnis nach Freundschaft oder einer festen Partnerschaft. Es ist nicht undenkbar, dass die Betroffenen bis ins Erwachsenenalter etwa keinen sexuellen Kontakt kennengelernt haben. Dieser Teufelskreis kann Auslöser für weitere Begleitstörungen sein. Alkoholismus, Drogenkonsum, Depression.

Das Institut sucht noch weiteren Betroffene. Wer sich an der Studie beteiligen und eine Therapie in Angriff nehmen möchte, meldet sich unter Tel.: (069) 79823981.

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