Sozialbestattungen in Offenbach um 40 Prozent gestiegen

Nichts übrig für den Tod

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Blumenschmuck und einen schönen Sarg kann sich nicht jeder leisten.

Region Rhein-Main – Viele Menschen können sich die Beerdigungskosten für Angehörige nicht mehr leisten. Immer öfter kommen die Sozialämter für Bestattungen auf. Was jedoch zu einer würdigen Bestattung gehört, hängt von der Finanzlage der Städte und Kommunen ab. Von Fabienne Seibel

Immer weniger Leute haben genügend Geld, um ihre Angehörigen zur letzten Ruhe zu betten. „Bei etwa vier bis acht Prozent aller Bestattungen in Deutschland handelt es sich um sogenannte Sozialbestattungen. Dabei wird entweder ein Teil oder die gesamte Bestattung vom Sozial- oder Ordnungsamt gezahlt, wenn es keine bestattungspflichtigen Angehörigen gibt oder diese nicht für die Bestattungskosten aufkommen können“, sagt Oliver Wirthmann, Geschäftsführer vom Kuratorium Deutsche Bestattungskultur. „Die klassischen Regionen, in denen es häufig Sozialbestattungen gibt, sind Orte, an denen viel Arbeitslosigkeit herrscht. In Hessen sind besonders der Frankfurter- und Offenbacher Raum betroffen“, sagt Dominik Kracheletz, Vorsitzender des Bestattungsverbandes Hessen.

Handelt es sich um eine Sozialbestattung, stecken Bestattungsinstitute häufig in der Zwickmühle. Einerseits müssen sie sich an das hessische Bestattungsgesetz halten, das vorschreibt, den Verstorbenen innerhalb von fünf Tagen nach seinem Tod beizusetzen. Andererseits laufen Bestatter oftmals ihrem Geld hinterher, weil sich der Prozess der Überprüfung der Angehörigen durch das Sozialamt lange hinziehen kann. „Einige Bestattungshäuser lehnen mittlerweile Sozialbestattungen ab“, sagt Kracheletz. „Viele Leute machen sich zu Lebzeiten zu wenig Gedanken um ihre eigene Bestattung und sorgen finanziell nicht ausreichend vor“, sagt er weiter.

Aufgabe der Kirche

Jürgen Lewalder, Pfarrer der Gemeinde Frankfurt Bornheim, sieht die Frage einer würdigen Bestattung nicht an finanzielle Mittel gebunden: „Den Abschied eines Menschen würdig zu gestalten, ist die Aufgabe des Pfarrers und der Kirche. Da kommt es nicht darauf an, wie viele Kränze da liegen oder wie viele Gäste zur Bestattung erscheinen. Für mich ist eine Sozialbestattung eine Bestattung wie jede andere.“

Wirthmann nimmt an, dass auch zukünftig den Leuten Geld für Bestattungen fehlt: „Wir gehen davon aus, dass aufgrund der sozialen Entwicklung in Deutschland die Zahl der Sozialbestattungen weiter steigen wird.“ Zahlen des Offenbacher Sozialamtes bestätigen diese Einschätzung. Im vergangenen Jahr gab es in Offenbach 217 Sozialbestattungen. Im Vorjahr waren es noch 157 (das ist ein Plus von 40 Prozent).

Umso wichtiger sei es Wirthmann zufolge, rechtzeitig für die eigene Bestattung vorzusorgen. „Wie sagt man so schön: Auch der Tod ist nicht umsonst. Der Umfang einer Sozialbestattung hängt jedoch oft von der Finanzlage der jeweiligen Städten und Gemeinden ab“, sagt Wirthmann. „Jeder Mensch hat jedoch das Recht auf eine würdige Bestattung“, ergänzt er. Um vorzusorgen gibt es zum Beispiel die Möglichkeit, mit den Pietäthäusern Bestattungskostenvorsorge-Verträge abzuschließen. Dort wird ein bestimmter Betrag zweckgebunden beim Pietäthaus hinterlegt und beim Eintritt des Todesfalls zur Kostendeckung verwendet.

Einsatz für würdige Bestattungen

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Für eine würdige Bestattung trotz geringer finanzieller Mittel setzt sich auch Dekanin Eva Reiß vom Evangelischen Dekanat Offenbach seit Jahren ein. „In Offenbach gibt es seit 2008 eine Vereinbarung, wie Sozialbestattungen abzulaufen haben. Wegen fehlender finanzieller Mittel wurde früher bei den Offenbacher Sozialbestattungen meist die günstigste Variante gewählt und viele Menschen in Massenurnengräbern bestattet. Wir haben uns verpflichtet gefühlt, das zu ändern“, sagt Reiß. Durch Spendengelder wird es mittlerweile ermöglicht, dass es auch bei Sozialbestattungen in Offenbach eine Trauerfeier gibt und die Verstorbenen würdig verabschiedet werden. „Eine Trauerfeier hat auch den Vorteil, dass man miteinander ins Gespräch kommt und selbst darüber nachdenkt, ob man für die eigene Beerdigung schon genügend vorgesorgt hat“, sagt Reiß.

Die Debatte um angemessene Beerdigungen im Fall einer Sozialbestattung geht Lewalder zufolge jeden etwas an: „Um die eigenen Angehörigen in der Zeit der Trauer zu entlasten, sollte man frühzeitig Geld für die eigene Bestattung zurücklegen.“ Lewalder weiter: „Wir müssen uns überlegen, was es uns als Gesellschaft wert ist, die Bestattung als öffentlichen Akt des Abschieds für jeden durchführbar zu machen. Es gibt viel zu verhandeln und der Diskurs um Bestattungen muss wachgehalten werden. Der Tod geht etwas an.“

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