Die Baseballkappe: Vom Sonnenschutz zum Statussymbol

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Sammler Jörg Hölzer (rechts) und Peter Lingens vom Gotischen Haus in Bad Homburg einer Basecaps-Auswahl. In der Vitrine ist der „Homburg“ zu sehen. Es handelt sich um den Originalhut, den Konrad Adenauer getragen hat.

Bad Homburg – Ein Hut ist Geschmackssache. Die Baseballkappe dagegen hat sich dagegen in den vergangenen Jahren bei Alt und Jung durchgesetzt. Für die einen ist es der Schutz vor der Sonne, für die anderen ein Statussymbol. Der Bad Homburger Jörg Hölzer sammelt die Kopfbedeckung seit Ende der 80er Jahre. Rund 160 Stück hat er nun dem Gotischen Museum in Bad Homburg gestiftet. Von Ingrid Zöllner

„Ich bin durch meinen Schwager Terry Murphy in den USA zu den ersten Kappen gekommen“, erzählt Hölzer. Durchs Rallye-Fahren und seine einstige Firma C.A.R Communications liegt bei vielen Kappen der Schwerpunkt auf dem Motorsport beziehungsweise der Telekommunikation. Darunter sind etwa Peugeot-Caps von den Super-Tourenwagen-Meisterschaften.

„Meine Frau war erstaunt, dass ich sie gestiftet habe, die dachte, dass ich mich nie von denen trennen würde“, erzählt der 54-Jährige. Doch er hat sie guten Gewissens an das Museum abgegeben: „Hier weiß ich sie in sicheren Händen.“ Es ist nicht seine einzige Sammlung. Der Firma Kölln, die Haferflocken herstellt, hat er all die verschiedenen Sammelbilder zur Verfügung gestellt, die einst in jeder Packung beigelegt waren.

„Das Faszinierende ist an der Baseballkappe nicht nur die Entwicklung im Aussehen, sondern auch, dass es die einzige Kopfbedeckung ist, auf der Werbung akzeptiert wird“, sagt Peter Lingens, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Museums im Gotischen Haus. Er hat im Frühjahr diesen Jahres die Idee gehabt, zu dem Thema eine Sonderausstellung zu machen. Schließlich gibt es im Museum im Gotischen Haus die Abteilung „Hut und Mode“. Von dem Mobilfunkanbieter D+ Mobile beispielsweise hat Hölzer alle Kappen. „Hier lässt sich gut die Entwicklung des Designs verfolgen, wie sich etwa das Logo alle zwei bis drei Jahre verändert hat“, erzählt Lingens. Im Frühjahr 2013 soll die Sonderausstellung stehen. Eine schriftliche Abhandlung dazu ist ebenfalls vorgesehen.

Kappen sollen mit Musik und passender Kleidung präsentiert werden 

Hölzers Kappen decken den Bereich Marketing und Werbung ab. „Wir sind aber noch auf der Suche nach Modellen im Bereich Mode, Jugend, Sport und Uniform“, berichtet Lingens. Von der Hessischen Landespolizei hat er schon welche bekommen. Lingens schweben für die Ausstellung mehrere Ideen vor, unter anderem, dass bei der Jugend zum Beispiel die entsprechende Kleidung und Musik präsentiert wird. „Wir wollen herausfinden, wieso die einen Jugendlichen die Kappe ganz eng geschnürt lose auf dem Kopf tragen, während die anderen beispielsweise Wert auf einen geraden Schirm legen“, sagt Lingens.

Im Besitz des Museums sind auch Kappen aus den 90er Jahren des Eishockeyclubs Frankfurt Lions , damals noch unter dem Namen Frankfurter Löwen. „Die Baseballkappe an sich gibt es seit Mitte des 19. Jahrhunderts. Inzwischen haben sich viele Schnitte und Formen etabliert“, berichtet der Wissenschaftler.

Die Kopfbedeckung ist bei Männern und Frauen gleichermaßen beliebt, da sie mehrere Zwecke erfüllt und damit in der Tradition des Hutes steht. „In den 70er Jahren hätte ein Jugendlicher es abgelehnt, mit Hut oder Mütze unterwegs zu sein. Heute laufen die freiwillig mit den sogenannten Beanies herum“, hat Lingens beobachtet.

Vor 50 Jahren flanierten die Menschen in der Louisenstraße noch mit Hut, heute ist es die Kappe. „Sie ist leicht, kann geknautscht werden und ein gewisses Zeichen von Freizeit“, meint Hölzer. Seine Lieblingskappe ist derzeit eine von der ältesten Kneipe Amerikas, die er sich im Sommer aus dem Urlaub mitgebracht hat.

Ins Haus kommt ihm längst nicht mehr jede: „Ich bin wählerisch geworden.“

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