Es wird wieder heiß!

Tiere und Pflanzen verenden: Die Schattenseiten des Sommers!

+

Region Rhein-Main – Fische sterben, Jungvögel hüpfen aus ihren Nestern, Bäume vertrocknen: Die Sommer-Hitze der vergangenen Wochen hat Tiere, Pflanzen und Co. ordentlich mitgenommen. Von Angelika Pöppel

Mitte Juli knackte Frankfurt den historischen Hitze-Rekord: 39 Grad wurden gemessen. Und auch in der kommenden Woche wird es nochmal richtig heiß, verrät Meteorologe Martin Gudd: „Das wird die zweite große Hitzewelle!“ Generell könne es ein besonders heißer Sommer werden, denn die warme Luft läge nur wenige hundert Kilometer entfernt im Süden und könne jederzeit wieder zu uns „schwappen“. Doch des einen Freud ist des anderen Leid. Denn viele Tiere, Pflanzen und auch die Technik hatten unter der andauernden Hitze zu leiden. Bei den aktuell milden Temperaturen können Fische in Teichen und im Main wieder aufatmen. Erst vor zwei Wochen war der kritische Grenzwert von 25 Grad Wassertemperatur im Main bereits überschritten. Dadurch ging der Sauerstoffgehalt im Wasser deutlich zurück. Gerhard Brahmer vom Hessischen Landesamt für Umwelt und Geologie befürchtet: „Auf lange Zeit könnte es für die Ökologie des Flusses problematisch werden und das kann auch zu einem Fischsterben führen.“ Im Main seien die Wassertiere besonders gefährdet, weil das Wasser nur wenig in Bewegung ist, weiß Berthold Langenhorst vom Naturschutzbund Hessen (NABU). In Darmstadt musste sogar die Feuerwehr ausrücken und sieben Millionen Liter Wasser aus einem Teich pumpen, weil sich wegen der Hitze eine erhöhte Schadstoffkonzentration bildete. Viele Fische waren bereits tot.

Ozonwerte erhöht

Für viele Jungvögel, die wegen der Hitze aus ihren Nestern hüpften, kam auch jede Hilfe zu spät. „Gerade die Jungtiere der Mauersegler sind in Frankfurt ein großes Problem gewesen, wir mussten zigmal ausrücken“, sagt NABU-Pressesprecher Langenhorst. Genauso wie die Fledermäuse: „Sie hängen kopfüber und lassen sich bei Hitze einfach fallen“, sagt Langenhorst. Deshalb wurde sogar ein Fledermaus-Nottelefon eingerichtet. Doch auch dem Menschen macht die Hitze zu schaffen. Neben Kreislaufproblemen und niedrigem Blutdruck können durch erhöhte Ozonwerte auch die Atemwege betroffen sein. Die Ozonbelastung war in ganz Hessen, wegen der anhaltenden Hitze, stark angestiegen. An rund einem Drittel der Messstellen sei die Alarmschwelle von 240 Mikrogramm überschritten worden, teilte das Hessische Landesamt für Umwelt und Geologie mit. Langfristig haben auch die Bauern der Region unter der Hitze zu leiden. Denn sie ernten in diesem Jahr je nach Pflanzenart und Region bis zu 30 Prozent weniger, sagt Friedhelm Schneider, Präsident des hessischen Bauernverbandes. Beim wichtigen Winterweizen sei bereits ein Minus von durchschnittlich 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entstanden.

Bäume sterben, Wiesen gleichen Steppenlandschaft

Sorgen bereiten den Bauern auch die ausgedorrten Wiesen und Weiden: Dadurch seien Futterengpässe in der Viehhaltung vorprogrammiert. Eine Futterbörse soll nun betroffenen Landwirten helfen. Auch Frankfurts Grünanlagen leiden unter einer außergewöhnlichen Trockenheit – besonders auffällig am Mainufer. Die Wiesen in der kompletten Stadt gleichen einer Steppenlandschaft. In Dreieich und Neu-Isenburg bereiten die trockenen Bäume den Städten Sorgen. In Dreieichenhain sind zwei alte Birken in Folge der Hitze abgestorben. Wegen der hohen Temperaturen wässern die Mitarbeiter bereits verstärkt Jungbäume und qualitativ hochwertige Pflanzen. Der Durst der Pflanzen sei alleine kaum zu bewältigen. Christiane Dröll, verantwortlich für das Grün in Neu-Isenburg: „Die bewässerten Flächen sind bei solchen Temperaturen bereits ein bis zwei Tage später wieder trocken!“ Der ausbleibende Regen hat auch Folgen für den Wald. Hessische Förster sorgen sich um die im Frühjahr frisch gepflanzten Jungbäume. Den Jungpflanzen fehle das Wasser zum Wachsen, etwa jeder dritte werde möglicherweise vertrocknen, sagt Michael Gerst, Chef des Landesbetriebes Hessen-Forst.

Auto nicht volltanken!

Doch nicht nur Tier und Natur kommen ins Schwitzen, auch die Technik kommt bei über 35 Grad an ihre Grenzen. Im Juli blieb ein Zug der Privatbahn Vlexx auf dem Weg nach Frankfurt stehen. Grund: Überhitzung. Doch auch das Auto ist nicht komplett hitzebeständig. Explosionsgefahr besteht sogar, wenn das vollgetankte Auto zu lange in der Sonne steht, weil sich der Treibstoff im Tank ausdehnt. „Doch das passiert nur in den seltensten Fällen“, sagt ADAC-Pressesprecher Cornelius Blanke. Die Pannenanfälligkeit sei allerdings erhöht, weil beispielsweise poröse Schläuche endgültig aufgeben. Generell komme es bei hohen Temperaturen häufiger zu Unfällen, weil die Konzentration geschwächt sei.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare