So skurril sagen Angehörige tschüss

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Christian Sprang mit dem ersten Band „Aus die Maus“.

Taunus – „Oma rief – Opa kam“ ist die Lieblings-Todesanzeige von Christian Sprang überschrieben. Seit Studientagen sammelt er skurile, lustige und hasserfüllte Nachrufe und Todesanzeigen. Zwei Bücher hat er mit seinem Freund Matthias Nöllke bereits gefüllt, 2013 kommt der letzte Band. Von Julia Renner

 „Das ist doch super: ‚Oma rief – Opa kam‘. Das sagt alles aus in nur vier Worten“, freut sich Christian Sprang. Doch eigentlich will der 49-Jährige keine Anzeige besonders hervorheben. Er liebt alle seine gesammelten Anzeigen, sagt er.

Mehr als 5000 Stück sind mittlerweile zusammen gekommen. „Aber alleine kann man es nicht so weit bringen“, sagt er. Während des Studiums hat er mit Freunden angefangen zu sammeln, „ich war nur zufällig der Sammelpunkt“.

Um die Freunde besser zu vernetzen, ging Sprang 2003 mit der Internetseite www.todesanzeigensammlung.de online. „Diese Seite war eigentlich nicht für die Öffentlichkeit gedacht“, sagt er. Doch schon zwei Tage, nachdem die Seite ans Netz gegangen war, kam die erste Mail von einem Fremden – im Anhang eine skurile Todesanzeige. Die Besucherzahlen stiegen beständig. „Mittlerweile gibt es etwa 2500 Links, die auf die Seite verweisen – ohne, dass ich je darum gebeten hätte.“

Eine klassische Klolektüre

Dass die Sammlung mal zwei Bücher füllen würde, damit hatte Sprang nie gerechnet. „Aus die Maus“ hieß der erste Band, der 2009 auf den Markt kam. Bereits ein Jahr später erschien „Wir sind unfassbar“. „2013 kommt der dritte und letzte Band“, kündigt der Jurist an. Auch das wird „im positiven Sinn eine klassische Klolektüre“ sein, sagt der Autor.

Doch ohne die Hilfe von tausenden Unterstützern hätten die Bücher nie entstehen können. Aus ganz Deutschland und sogar aus Österreich und der Schweiz werden ihm zum Teil ganze Sammlungen von besonderen Anzeigen geschickt.

Die Reaktionen auf die beiden bisher erschienenen Bücher waren durchweg positiv – bis auf einen Fall. Damals gab es Kritik von Angehörigen, dass die Todesanzeige in einem Buch abgedruckt wurde. „Die haben wir dann rausgenommen.“ Die allermeisten Angehörigen, die sich in den Büchern wiederfinden, fühlen sich geschmeichelt, sagt Sprang. Trotzdem machen er und Nöllke in den meisten Fällen die Nachnamen unkenntlich – es sei denn, der Name gehört zur Pointe.

Dabei ist es nicht Sinn, sich über jemanden lustig zu machen, betont der Jurist. „Es ist einfach toll, wenn mit wenigen Worten ein ganzes Leben präsentiert wird.“ Das finden scheinbar auch Hospizgruppen, Pfarrer und Bestatter – sie gehören zu den Hauptabnehmern der Bücher.

So skurril sind die Todesanzeigen aus dem Taunus

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