Prozess beginnt am 24. September

S&K-Betrüger vor Gericht: Anleger um 240 Millionen Euro betrogen  

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Frankfurt/ Kelkheim – Die Gründer der Immobiliengruppe S&K liebten es protzig: Sie badeten wie Dagobert Duck im Geld, ließen Stars einfliegen, fuhren die teuersten Sportwagen. Und das auf Kosten von tausenden Anlegern. Jetzt soll ihnen der Prozess gemacht werden. Von Angelika Pöppel

Nach zweieinhalb Jahren Untersuchungshaft müssen sich die Gründer der Frankfurter Immobiliengruppe S&K – Stephan Schäfer und Jonas Köller – sowie ein leitender Angestellter der Unternehmensgruppe und drei weitere Unternehmer ab dem 24. September vor Gericht verantworten. Die Strafkammer des Landgerichts Frankfurt hat das Hauptverfahren eröffnet. Vorgeworfen wird ihnen gewerbs- und bandenmäßiger Betrug sowie Untreue und Beihilfe dazu.

Anfang 2013 wurde die Villa der Unternehmer in Frankfurt bei einer Razzia hochgenommen. Die Staatsanwaltschaft sperrte Konten, beschlagnahmte Immobilien und Sportflitzer und stellte so nach eigenen Angaben mehr als 100 Millionen Euro für die Geschädigten sicher. Darunter sollen Sportwagen der Marken Bentley, Aston Martin, Porsche, Lamborghini zum Fuhrpark der S&K gehört haben.

Auch in Kelkheim sind noch Rechnungen offen

Das System: Mit falschen Gutachten blähten die Kriminellen den Wert ihrer Immobilien künstlich auf. Die Staatsanwaltschaft wirft S&K vor, jahrelang ein Schneeballsystem betrieben zu haben. Anstatt das Kapital neuer Anleger zu investieren, soll es unter anderem eingesetzt worden sein, um Forderungen von Altkunden nachzukommen.

Auch in Kelkheim sind noch Rechnungen offen. Die Villa auf dem riesigen Anwesen in den Römergärten war noch mitten im Bau, als die Staatsanwaltschaft auftauchte. „Zahlreiche Handwerker bleiben auf ihren Kosten sitzen“, berichtet der Frankfurter Inkassoverwalter Hans Glassl. Das Land Hessen hat das Anwesen mit einer Zwangssicherheitshypothek von 104 Millionen Euro besetzt, damit Besitzer Stephan Schäfer das Haus nicht verkaufen kann. Auch in Offenbach steht eine der zahlreichen Villen von Schäfer nun leer. Diese ist mit 1,5 Millionen Euro belastet. Das Duo besitzt ebenfalls Anteile an der Gerbermühle in Frankfurt, die laut Inkassoverwalter aber nicht geschlossen wird.

Die Anklageschrift umfasst insgesamt 3150 Seiten. Zu den Vorwürfen gehören die „systematische Kapitalbeschaffung durch die täuschungsbedingte Erlangung von Auszahlungsansprüchen gekündigter Lebensversicherungsverträge von über 1300 Anlegern“. Die Staatsanwaltschaft geht von einem Gesamtschaden in Höhe von circa 240 Millionen Euro aus.

Angelika Pöppel

Angelika Pöppel

E-Mail:angelika.poeppel@extratipp.com

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