Mit Singles und jungen Leuten gegen Heilbad-Krise

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Wellness gehört mittlerweile zu einer Kur dazu.

Taunus – Für jüngere Leute ist das Wort „Kur“ leicht angestaubt. Etwas, das nur Menschen ab 60 Jahren in Anspruch nehmen. Der Hessische Heilbäderverband will das nicht mehr hinnehmen. Unter dem Motto „Neue Kur“ sollen Konzepte modernisiert und gezielt junge Menschen angelockt werden. Von Julia Renner

Almut Boller, Geschäftsführerin Hessischer Heilbäderverband.

Seit Jahren kommen weniger Übernachtungsgäste in die Kurorte und Heilbäder Hessens. „Das ist ein Trend, der sich seit 2004 fortsetzt“, sagt Almut Boller, Geschäftsführerin des Hessischen Heilbäderverbandes mit Sitz in Königstein. 2010 gab es 9,4 Millionen Übernachtungen in Hessen. „Wir hatten mal mehr als zehn Millionen Übernachtungen“, kommentiert Boller die Zahl.

Die hessischen Kurorte und Heilbäder, zu denen auch Bad Soden, Bad Homburg und Königstein zählen, wollen nun andere Zielgruppen ansteuern. Zum Beispiel Menschen ab 35. „In diesem Alter passiert ziemlich viel: Karriere, Familie, Freunde“, sagt Boller. Stichwort Burnout. Denn die Kurstädte spezialisieren sich nicht mehr nur auf medizinische Behandlungen. „Es geht auch um das seelische Wohl und Unterhaltung.“

Pop-Musik und Segway-Touren

Unter dem Motto der „Neuen Kur“ sollen jetzt die Orte aufgemöbelt werden, „aber ohne den Kurort-Charakter zu zerstören“, sagt Boller. Bad Homburg frühzeitig neue Wege eingeschlagen. Zum Beispiel mit dem modernen Kur-Royal Day Spa im Kaiser-Wilhelms-Bad, sagt Stefanie Kürten von der Kur- und Kongreß-GmbH. Auch das Kulturangebot ist in den vergangenen Jahren gewachsen. Längst gibt es nicht mehr nur klassische Musik im Kurpark, sondern auch Jazz- und Popsounds. Für jede Altersgruppe würden Veranstaltungen geboten, so Kürten.

Auch in Königstein hat sich bereits einiges geändert. Um verstärkt junge Menschen anzulocken, gibt es mittlerweile Touren mit Segways und Walking-Touren, sagt Sprecherin Dorothea Giegling. Auch Stadtführungen für Kinder gibt es neu im Kur-Programm von Königstein.

Almut Boller vom Hessischen Heilbäderverband hat ein klares Ziel vor Augen: „Wir wollen wieder mehr als zehn Millionen Übernachtungen im Jahr schaffen.“

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