Sindlinger Hobby-Kelterer: Sie kämpfen fürs Stöffche

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Sie keltern ihren Apfelwein selbst (von links): Wolfgang Scheh, Jochen Dolase, Renata Krämer, Patrick Stappert und Markus Krämer.

Frankfurt – In ganz Frankfurt steht der Apfelwein vor dem Untergang. In ganz Frankfurt? Nein! Im Ortsteil Sindlingen kämpft eine Hobby-Keltergemeinschaft erbittert für ihr Stöffche. Deren Mitglieder geloben trotz rapide sinkender Keltermengen: „Wir werden den Äppelwoi erhalten.“ Von Christian Reinartz

Geht es nach den Zahlen des Verbands der Hessischen Apfelwein- und Fruchtsaft-Keltereien steht der Apfelwein vor dem Untergang. Wurden 1990 noch rund 60 Millionen Liter gekeltert, sind die Zahlen mittlerweile um fast die Hälfte eingebrochen. Der Grund: Immer weniger junge Frankfurter trinken den sauren Apfelwein. Stattdessen bestellen sie in den Wirtschaften moderne Biermischgetränke. Die alten Stöffche-Liebhaber werden unterdessen immer weniger. Die Apfelweinkultur scheint langsam aber sicher auszusterben.

Rettung des Apfelweins

Wenn Hobbykelterer Jochen Dolase das hört, kann der sonst so gemütliche Sindlinger ganz schön ungemütlich werden: „Das ist doch Quatsch. Ich kenne noch viele junge Leute hier, die auf Apfelwein stehen. Und ich habe beobachtet, dass es wieder mehr werden.“ Bestes Beispiel seien seine Kelterkollegen Patrick Stappert und Markus Krämer. Beide sind jung, halten aber eisern an der Frankfurter Stöffche-Tradition fest. So eisern, dass sie in Krämers Hof gemeinsam mit acht weiteren Hobbykelterern seit Jahren viele tausend Liter „Süßen“ aus Äpfeln pressen. Dieser trübe Saft wird dann in riesigen Kunststofftanks im eigenen Gewölbekeller von Krämer vergoren. Dolases Apfelwein hat ihm sogar den Titel des Sindlinger Apfelweinkönigs eingebracht.

Den Apfelwein gibt es nirgendwo zu kaufen

Zu kaufen gibt‘s das leckere Stöffche nirgendwo. „Den trinken wir lieber selbst“, sagt Wolfgang Scheh, der dem Apfelwein auch gesundheitsfördernde Wirkung zuschreibt. „Ich trinke ihn seit Jahrzehnten, und ich war seitdem nie wirklich erkältet oder krank“, sagt er begeistert.

Steht dem Apfelwein nun also der Untergang bevor? Oder läuft er gerade wieder zu alter Größe auf, weil die Frankfurter sich ihrer Traditionen besinnen?

Eines ist in jedem Fall klar. Apfelweinkönig Jochen Dolase: „Selbst wenn die letzte professionelle Kelterei zugemacht hat, gibt‘s bei uns in Sindlingen noch selbstgekelterten Äppelwoi.“

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