Vieles ist Unsinn!

Das sind die fünf größten Mythen rund um Alkohol am Steuer

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Alkohol am Steuer ist kein Kavaliersdelikt Viele verlassen sich dabei auf falsche Tipps.

Alkoholisiert zu fahren ist dumm und gefährlich. Alleine im Stadtgebiet von Frankfurt gab es 2014 fast 350 Unfälle unter Alkoholeinfluss. 18 davon endeten tödlich. Nicht nur deshalb ist es wichtig, mit einigen Mythen rund um Alkoholgenuss und Fahrtauglichkeit aufzuräumen. Von Oliver Haas

Wer viel und fettig isst, verträgt mehr Alkohol:

So ist das definitiv falsch. Zwar verzögert reichhaltiges fetthaltiges Essen die Aufnahme von Alkohol ins Blut. Doch der getrunkene Alkohol kommt letztendlich doch in der Blutbahn und im Gehirn Hirn an. Wer vor dem Trinken viel und fettig isst, der erreicht nur, dass die Promille etwas langsamer steigen.

Auch die oft empfohlene kalte Dusche oder der starke Kaffee nützt nichts. Man fühlt sich dadurch vielleicht subjektiv besser, aber am Promillegehalt im Blut und den Folgen, wie verminderte Reaktionsfähigkeit, ändern solche Maßnahmen nichts. Die Leber baut den Alkohol nicht schneller ab. Gleiches gilt für Energy-Drinks.

Nein! Alkohol kann nicht durch Bewegung wie etwa Tanzen ausschwitzt werden. Der Abbau findet fast zu hundert Prozent in der Leber statt. Etwa 0,1 bis 0,2 Promille werden durchschnittlich pro Stunde abgebaut. Es ist zwar richtig, dass einige wenige Prozent Alkohol tatsächlich über die Haut abgegeben werden, aber das ist so gering, dass es fürs ausnüchtern unerheblich ist.

Eine Fehleinschätzung, die üble Folgen haben kann. Auch im Schlaf bleibt die Abbaugeschwindigkeit bei 0,1 bis 0,2 Promille pro Stunde. Somit dauert es etwa zehn Stunden, bis man ein Promille sicher wieder los ist. Und beim Autofahren spielt es keine Rolle, ob es ein frischer Rausch ist oder Restalkohol. Daher der Tipp: Auch nach ein paar Stunden Schlaf sollte nach ausgiebiger Party das Auto lieber stehen gelassen werden.

Nur wenn es zum Unfall kommt, sind 0,3 Promille problematisch:

Ab 0,5 Promille im Blut gibt´s allerdings kein Pardon: Hände weg vom Steuer! Wer erwischt wird, riskiert Geldbußen bis zu 1500 Euro und mehrmonatiges Fahrverbot. Und wer mehr als 1,6 Promille am Steuer hat, für den wird´s ganz bitter, und er muss zur MPU.

Und so läuft der "Idiotentest" wirklich ab: 

Wer in Hessen mit mehr als 1,6 Promille am Steuer eines Autos oder auf dem Fahrrad im Straßenverkehr erwischt wird, muss zur Medizinisch-Psychologischen-Untersuchung (MPU). Auch, wer unter Drogeneinfluss fuhr oder mehr als acht Punkte in Flensburg hat, muss zum „Idiotentest“. Je nach Vergehen werden zwischen 370 und 800 Euro fällig, und die Kosten für die Beratung und Vorbereitung liegen zwischen 700 und 1000 Euro.

Konzentration und Reaktion wird getestet

Und so läuft die MPU-Untersuchung ab: Zunächst erfolgt der Konzentrations- und Reaktionsfähigkeits-Test. Der Kandidat muss in 20 Minuten mehrere farbige Knöpfe auf Kommando drücken, richtig klicken bei hohen und tiefen Tönen und korrekt ein linkes und rechtes Pedal treten. Klingt kompliziert, stellt für meisten Teilnehmer jedoch kaum ein Problem dar.

Untersuchung durch Verkehrsmediziner

Im zweiten Schritt untersucht ein Verkehrsmediziner den Teilnehmer, spricht mit ihm über Erkrankungen, die für die Fahreignung relevant sein könnten, und je nach MPU-Anlass werden Blut- und Urinproben genommen.

Psychologisches Gespräch als Schwerpunkt

Der Schwerpunkt der MPU-Untersuchung ist dann das psychologische Gespräch, in dem die Einstellung des Untersuchten zu seinem eigenen Fehlverhalten erfasst werden soll. In gut einer Stunde beurteilt der Psychologe ob sein Gegenüber das eigene Fehlverhalten einsieht. Und er versucht einzuschätzen, ob dieser sich mit den Ursachen auseinander gesetzt hat und dauerhaft sein Fehlverhalten ändern will. Jetzt sind drei Ergebnisse möglich: 1. Positives Gutachten: Kein erhöhtes Wiederholungsrisiko, den Führerschein gibt´s zurück. 2. Negatives Gutachten: Führerschein bleibt weg, MPU muss wiederholt werden. 3. Gutachten mit Nachschulungsempfehlung: Ein Nachschulungskurs muss absolviert werden, dann gibt´s den Lappen ohne weitere Prüfung wieder.

Eine Vorbereitung für Verkehrssünder, die wegen Alkoholmissbrauch oder anderen Gründen zur MPU müssen, bietet das TÜV-SÜD-Taschenbuch „Der Testknacker bei Führerscheinverlust“. Autor Thomas Wagenpfeil, der als Verkehrspsychologe bereits reichlich Gespräche mit MPU-Teilnehmern führte, erklärt darin alles Wichtige, um diesen Test zu bestehen. Es ist für 9,99 Euro im Handel erhältlich.

Wenn ein Autofahrer mit 0,3 Promille im Blut alkoholtypische Fahrfehler macht, wie etwa Schlangenlinien fahren, gilt dies bereits als Straftat. Entgegen einer weit verbreitenden Ansicht muss es nicht zum Unfall kommen. Umgekehrt sind etwa 0,4 Promille im Blut beim Unfall kein Problem, wenn der Unfall nicht durch alkoholbedingte Fahrweise ausgelöst wurde.

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