Tierarzt verrät, wie man seinem Liebling hilft

An Silvester leiden Haustiere fürchterlich

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Labrador unter der Decke.
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Region Rhein-Main - Draußen Feuerwerk, drinnen Panik! Wer es einmal erlebt hat, erkennt sein eigenes Haustier nicht wieder. Panisch versuchen sich Hund und Katze erfolglos in Sicherheit zu bringen – und durchleiden ein Martyrium. Dabei kann man die Angst ganz einfach lindern. Von Christian Reinartz

Schwitzepfötchen, schneller Atem, geduckte Pose – wenn ein Tier Angst hat, ist es ihm anzusehen. Und so manche frischgebackenen Herrchen erkennen ihre Vierbeiner dann kaum wieder. Und denken sich erstmal auch nichts dabei. Denn während sie Silvester feiern und vor dem Haus Raketen in die Luft jagen, durchleidet das geliebte Haustier in der Wohnung Höllenqualen. „Die Tiere empfinden extreme Panik“, erklärt Tierarzt Dr. Reinhard Jost aus Rödermark. Am ehesten könne man die Situation mit einer Panik erklären, die Menschen in absoluten Extremsituationen empfinden. Ein Vergleich mit einer Bombenexplosion sei da gar nicht so weit hergeholt, wenn es darum gehe, die Angstintensität der Tiere in der Silvesternacht zu beschreiben. Menschen, die etwa Panik in Aufzügen bekommen, könnten so etwas am ehesten Nachvollziehen. „Und das durchleiden die Tiere dann die ganze Zeit und auch noch am nächsten Tag“, sagt Jost. „Denn dann geht das Geknalle ja oft weiter.“

Tiere haben ein hochsensibles Gehör

Der Grund, warum für so viele Haustiere Silvester das pure Trauma ist, liegt auch an der Anatomie. Hunde, aber auch Katzen haben ein viel besseres Gehör, nehmen die Geräusche wesentlich lauter war. Das Gehör solcher Tiere ist hochsensibel, um bei Gefahr rechtzeitig flüchten zu können. Doch in der Wohnung ist das kaum möglich. Und es kommt noch schlimmer: Dumpfe Kanonenschläge oder heulende Kracher tun den Tieren regelrecht in den hochentwickelten Ohren weh. Sie erleiden also neben der Panik auch noch Schmerzen – ein echter Horror-Trip! Dazu kommt, dass etwa Hund und Katze einen sehr ausgeprägten Geruchssinn haben. Wenn also an Silvester Rauchschwaden durch die Nachbarschaft ziehen und Schwefelgeruch in der Luft hängt, bedeutet das für die Tiere nur eines: Feuer! Und ihrem Urinstinkt folgend, verfallen sie noch stärker in Panik und wollen nur noch fliehen.

Medikamente sind keine Lösung

Da das in einer geschlossenen Wohnung nicht möglich ist, verkriechen sie sich in die hinterste Ecke und durchleiden die schlimmsten Todesängste, die man sich nur vorstellen kann. Etwas dagegen zu unternehmen, sei äußerst schwierig, weiß Jost. „Bei jedem Tier wirken Medikamente zur Beruhigung unterschiedlich.“ Es dauere oft lange, bis man das passende Präparat und die richtige Dosierung gefunden hat. „Ansonsten kann sich das auch ins Gegenteil verkehren.“ Wichtig ist nach Expertenmeinung vor allem, dass die Halter sich über die Ausnahmesituation ihrer Tiere bewusst werden. Denn viele Menschen ahnen gar nicht, wie ihr Tier leidet, wenn vor der Haustür überschwänglich aufs neue Jahr angestoßen wird.

Christian Reinartz

Christian Reinartz

E-Mail:christian.reinartz@extratipp.com

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