Neuheiten auf der SightCity Messe in Frankfurt

Handy Apps lassen Blinde wieder sehen 

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Das Smartphone hat die Welt der Sehenden für Blinde wie Johannes Strich einen Spalt geöffnet.

Frankfurt – Farben erkennen, einkaufen oder endlich erfahren, dass sich der Zug verspätet. Das Internet und das iPhone von Apple haben bereits die Lebensqualität blinder Menschen erheblich verbessert. Von Dirk Beutel

Von der SightCity, der größten Fachmesse für Blinden- und Sehbehindert en-Hilfsmittel in Frankfurt, verspricht sich der Hilfsmittelbeauftragte des Blinden- und Sehbehinderternbund, Johannes Strich, Neuheiten bei den Handy-Apps.

Durch den Visor wieder sehen

Geordi La Forge ist von Geburt an blind. Doch dank seines Visors, den er wie eine Brille trägt, kann der Ingenieur des Raumschiffs Enterprise sehen. So hat es sich Hollywood ausgedacht. Soweit ist die technische Entwicklung in der wirklichen Welt zwar noch nicht, trotzdem haben das Internet und Smartphones Blinde längst näher an die Welt der Sehenden gebracht. Allen voran das iPhone und das iPad von Apple . Beide Geräte bieten serienmäßig Bedienungshilfen für sehgeschädigte Menschen. Was unter Sehenden als nettes Spielzeug oder Statussymbol gilt, hat Blinden enorme Vorteile gebracht.

Eine Stimme liest vor

Eigentlich paradox: Denn durch die Wischtechnik haben Blinde im Grunde keine Chance, die Funktionen zu erkennen. Möglich macht das „Voice Over“. Sobald ein Finger über einen Menüpunkt geführt wird, liest eine Stimme die entsprechende Funktion vor. Und: Mittels einer Farberkennungs-App und der im iPhone integrierten Kamera können Blinde kinderleicht Farben erkennen. Zwar sind sie nicht mit herkömmlichen Geräten vergleichbar, die eine sensiblere Linse besitzen und gerne bis zu 1000 Euro kosten können, dennoch eine echte Verbesserung für den Alltag blinder Menschen. Weiterer Vorteil: Durch die Verknüpfung zum Internet können Blinde über das iPhone und dessen Kamera Speisekarten lesen, Einkaufen oder unbekannte Objekte erkennen.

Speisekarten lesen, einkaufen, Unbekanntes erkennen

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Auf der Messe SightCity werden von Mittwoch, 24., bis Freitag, 26. April, im Sheraton Airport Hotel die neuesten Hilfsmittel für Blinde vorgestellt. Einer, der Innovationen offen gegenübersteht und sich immer auf dem Laufenden hält, ist Johannes Strich. Der 46-Jährige ist Hilfsmittelbeauftragter beim Blinden- und Sehbehindertenbund und wird auch dieses Jahr wieder alle Neuigkeiten genau prüfen. Er geht davon aus, dass sich die Bandbreite bei Handy-Apps noch vergrößern wird.

Er weiß, es hat sich viel getan, aber: „Bislang bietet kein Produkt so viel Nutzen wie man es sich im Alltag wünscht.“ Kein Hilfsmittel könne einem Blinden die Flexibilität und den schnellen Eindruck bieten, die Sehende von Geburt an besitzen. Trotzdem ist Strich optimistisch. Die technische Entwicklung habe erst angefangen: „Niemand hat sich in den 80ern oder 90ern erhofft, dass es ein Gerät gibt, das einem erklären kann, welche Geschäfte in der Nähe sind. Vielleicht gibt es in 100 Jahren tatsächlich mal einen Visor.“

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