Sexuelle Belästigung in der virtuellen Welt

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Soziale Netzwerke sind für Jugendliche ein wichtiger Bestandteil des Alltags. Trotzdem sind sich viele der Gefahren nicht bewusst.

Region Rhein-Main – Das Leben vieler Jugendlicher findet auch in der virtuellen Welt statt. Soziale Netzwerke machen es ihnen leicht, Beziehungen und Freundschaften zu pflegen. Allerdings tummeln sich dort auch viele schwarze Schafe. Von Dirk Beutel

Soziale Netzwerke sind aus dem Leben vieler Jugendlicher heute nicht mehr wegzudenken. Im Gegenteil: Außerhalb der Schule spielt sich dort das soziale Leben ab. Und dessen Schattenseiten. Mobbing, Identitätsbetrug oder sexuelle Belästigung – in einer empirischen Untersuchung unter über 8000 Jugendlichen fand die Universität Leipzig heraus, dass 23 Prozent der befragten Jungen und Mädchen zwischen zwölf und 19 Jahren schlechte Erfahrungen in einem sozialen Netzwerk gesammelt haben. An erster Stelle steht unangefochten der Tatbestand des Mobbings. Gefolgt von sexueller Belästigung, unter der vor allem Mädchen zu leiden haben.

Von ekeligen Anmachen bis zu perversen Sprüchen reiche das Spektrum, so die Studie. Oder die weiblichen Opfer werden in die Enge getrieben, wie im Fall eines zwölfjährigen Mädchens. Im Netzwerk SchülerVZ belästigte sie ein ihr nur flüchtig bekannter 19-jähriger Mann aus Dreieich, indem er ihr Informationen über einen Jungen anbot, an dem das Mädchen interessiert war. Die Gegenleistung: Oralverkehr, zu dem es in der Bockenheimer Anlage in Frankfurt kam. Glücklicherweise ging das Mädchen zur Polizei. Denn die Dunkelziffer sexueller Belästigungen im Netz ist hoch. „Betroffene machen solche Sachen meist mit sich selbst aus“, sagt Polizeisprecher Manfred Füllhardt aus Frankfurt. Im Fall des zwölfjährigen Mädchens verurteilte das Amtsgericht Darmstadt den Mann vergangenen Montag zu einem Jahr und zwei Monaten Jugendstrafe.

Netzwerke setzen auf Selbstregulierung

Dass es zu solchen Fällen kommen kann, erklärt sich Matthias Gärtner, Sprecher des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik so: „Jugendliche gehen zu sorglos mit ihren Personendaten um und nehmen die Zugriffsbeschränkungen ihres Netzwerkes kaum in Anspruch.“ Die Folge: Fremde Menschen, lose Bekanntschaften haben Einblick in die Privatsphäre ihrer künftigen Opfer. Die Analyse der Uni Leipzig bestätigt dies: „Auch wenn mehr als 90 Prozent um die Möglichkeiten der Zugriffskontrolle wissen, so sind es gerade einmal etwas mehr als 40 Prozent, die den Zugriff auf ihr Profil einschränken“, heißt es dort.

Was können Betroffene tun? Die gängigen Netzwerke wie Facebook, wer-kennt-wen oder SchülerVZ, stellen einen Meldebutton zur Verfügung. Je nach Schweregrad des Vorfalls entscheidet der Plattformbetreiber über weitere Schritte. „Dies kann bis zur Löschung des Accounts gehen“, sagt Eva-Maria Bauch, Geschäftsführerin von wer-kennt-wen.de. „Zusätzlich haben die Nutzer in besonders schweren Fällen die Möglichkeit, Anzeige zu erstatten und wir arbeitet auf Anfrage der Polizei mit den Behörden zusammen, damit solche Fälle aufgeklärt werden“, sagt SchülerVZ-Sprecherin Alexandra Kühte. Ähnlich sind die anderen Netzwerke aufgestellt, die zudem auf die Selbstregulierung der Nutzer setzen

Trotzdem bleibt die Täterjagd ein Spiel wie Hase und Igel. Facebooksprecher Robert Ardelt rät :„Betroffene sollten nicht zögern und ihren Fall immer bei der Polizei anzeigen.“

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