Erholung von den Strapazen

Eschborns Wahlsieger braucht eine Atempause

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So berichtete der EXTRA TIPP über den Endspurt im Eschborner Bürgermeisterwahlkampf.

Eschborn – Eschborn hat einen neuen Bürgermeister. Und das, obwohl gegen Mathias Geiger weiter der Vorwurf der sexuellen Belästigung im Raum steht. Von Dirk Beutel

Das war ein echter Paukenschlag im Eschborner Rathaus. Nachdem ein Sexskandal um den Ersten Stadtrat Mathias Geiger die Bürgermeister-Stichwahl in Eschborn überschattet hatte, gab es einen fulminanten Sieg für den beschuldigten Herausforderer. Während Amtsinhaber Wilhelm Speckhardt nur 38,9 Prozent erreichte, schaffte Geiger im zweiten Anlauf stattliche 61,1 Prozent. Er wird im Februar sein neues Amt antreten. Und das, trotz der Vorwürfe, er habe vor fünf Jahren einer Rathaus-Mitarbeiterin so heftig nachgestellt, dass sie als selbstmordgefährdet galt. Die Frau bekam zwei Jahre die vollen Bezüge ausgezahlt.

Rückblick: Die Bild-Zeitung bekam die Information anonym, noch immer ist unklar, wo die undichte Stelle im Rathaus ist, denn die Unterlagen zu diesem Vorfall liegen unter Verschluss. Geiger sah sich als Opfer einer schmutzigen Intrige. Nach wie vor streitet er alle Vorwürfe ab.

Auch Wilhelm Speckhardt zeigte sich entsetzt, dabei ist er selbst in die Geschichte verstrickt. Als Bürgermeister wusste er von den Vorfällen: „Ich habe sofort die Frauenbeauftragte und den Personalratsvorsitzenden in Kenntnis gesetzt und mit ihnen gemeinsam mehrere Gespräche mit der betroffenen Mitarbeiterin geführt. Selbstverständlich habe ich auch die Personalabteilung eingeschaltet und über diese anwaltlichen Rat eingeholt. In Ausübung meiner Fürsorgepflicht als Dienstherr war mein oberstes Ziel der Schutz der Mitarbeiterin. Dabei habe ich die Vorschriften des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes beachtet“, heißt es in einer Mitteilung.

Gerüchten keinen Glauben schenken

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Offenbar haben die Eschborner den Sex-Vorwürfen keinen Glauben geschenkt. Geiger gewann am vergangenen Sonntag die Stichwahl gegen Speckhardt deutlich: „Ich werde alles daran setzen, diese dubiose Angelegenheit ohne Ansehen und Rücksicht auf Personen aufzuklären“, teilte Geiger auf seiner Homepage mit. Der hat mittlerweile selbst einen Verdacht, wer hinter der schmutzigen Attacke gegen seine Person stecken könnte: „Ich komme nicht umhin, auch Zusammenhänge zwischen dieser bösartigen Zeitungskampagne und den Akteuren des CDU-Wahlbetrugs bzw. der CDU-Briefkastenaffäre zur Kommunalwahl 2011 zu sehen.“ Gemeint sind Christian Gerhardt und Horst-Günter Döll. Gerhardt war für die CDU bei der Kommunalwahl 2011 in Eschborn angetreten, obwohl er damals mit seiner Familie in Hattersheim gewohnt hat – ein Verstoß gegen die Hessische Gemeindeordnung und gegen das Strafgesetz.

Der Stadtverordnetenvorsteher Horst-Günter Döll stellte Gerhardt an einem seiner Häuser einen Briefkasten zur Verfügung. Als die Geschichte herauskam, sind beide von ihren politischen Ämtern zurückgetreten.

Geiger ist nach seinem Wahlsieg und den Strapazen um seine Person erstmal in den Urlaub geflogen. Trotzdem: Die Sex-Vorwürfe werden bis zur Aufklärung weiterhin Gesprächsthema bleiben.

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