Fastnachtsveranstalter geben sich bei Übergriffen und Belästigungen gut gerüstet

Sex-Attacken sind kein Thema

Während die Veranstalter weiter gelassen auf den Höhepunkt der Fastnacht blicken, setzt die Polizei bei den großen Fastnachtsumzügen in Frankfurt, Seligenstadt und Dieburg auf verstärkte Präsenz. Von Dirk Beutel

Region Rhein-Main – Es hat sich etwas verändert. Zumindest gefühlt. Irgendwo spuken immer noch die Bilder der Terroranschläge von Paris, die Silvesternacht von Köln in der es massenhaft zu sexuellen Übergriffen gekommen ist in den Hinterköpfen herum. Daher rangiert die Stimmungslage der feierfreudigen Fastnachter wohl irgendwo zwischen „Wir lassen uns den Spaß nicht verderben“ und „Irgendwie ist es schon ein mulmiges Gefühl“. Um dieser schwammigen Wahrnehmung entgegen zu wirken, setzt die Polizei bei den großen Fastnachtsumzügen in der Region auf verstärkte Präsenz. Das bestätigt das Landeskriminalamt in Wiesbaden: „Die Präsenz wird deutlich erhöht“, sagt Sprecher Christoph Schulte. Auch die Frankfurter Polizei plane mit „einem erhöhten Kräfteansatz“, sagt Sprecher Alexander Kießling. Genaue Zahlen nennt die Polizei nicht.

Das Polizeipräsidium Südosthessen hat bereits vorab in einer Sondermeldung gewarnt: „Aufgrund der Vorfälle in der Silvesternacht in Köln und anderen Großstädten ist nicht auszuschließen, dass enthemmte Gruppen Großveranstaltungen wie zum Beispiel Faschingsumzüge ausnutzen, um sexuelle Übergriffe gegen Frauen oder auch Diebstähle zu begehen.“

In Frankfurt setzt der Große Rat für seine Umzugswagen zudem auf etwa 100 private Sicherheitskräfte, die allerdings jedes Jahr dabei sind und mit dem Zug mitlaufen. Sie sollen für einen reibungslosen Ablauf sorgen. Bereits vor einigen Tagen wurde bekannt, dass die Frankfurter Frauengarde aus Angst vor sexuellen Übergriffen und Terroranschlägen ihre Teilnahme am Frankfurter Umzug zurückgezogen hatten, bei dem 195 Wagen und 3150 Narren teilnehmen werden. Etwa 300.000 Besucher erwartet der Große Rat am heutigen Sonntag. Auch beim Rosenmontagszug in Seligenstadt, zu dem etwa 35.000 Besucher erwartet werden, soll die Anzahl der Einsatzkräfte erhöht werden, die sowohl in Uniform mit Bodycam als auch in zivil unterwegs sein werden, sagt Rudolf Neu, Sprecher des Polizeipräsidiums Südosthessen. Thomas Hain, Sprecher des Seligenstädter Heimatbundes: „Wir kennen dieses Problem seit Jahren, dass unter Alkohoeinfluss ein bestimmtes Klientel sich nicht beherrschen kann. Das konnten wir immer durch massive Präsenz von Ordnungskräften zurückdrängen.“ Zudem werde die Zahl der privaten Sicherheitskräfte auf über 50 Mitarbeiter erhöht. In ähnlichem Maße geht die Polizei mit dem großen Fastnachtszug am Fastnachtsdienstag in Dieburg um, zu dem bis zu 40.000 Besucher erwartet werden: „Wir haben die Situation im Blick, bislang gibt es keine Hinweise auf eine Gefahr“, sagt Andrea Löb, Sprecherin des dort zuständigen Polizeipräsidiums Südhessen. Auch der Dieburger Karnevalsverein als Veranstalter geht mit dem Thema gelassen um: „Das spielt bei uns keine Rolle“, sagt dessen Sprecher Wolfgang Dörr. „Wir setzen uns grundsätzlich jedes Jahr mit der Polizei an einen Tisch, um die Sicherheitslage zu beurteilen und entsprechende Konzepte auf den Weg zu bringen.“ Thomas Hain dagegen betont: „Wer bedrängt oder belästigt wird, soll sich sofort an einen Mitarbeiter der Polizei, der Feuerwehr, des THW oder der Rettungdienste wenden und nicht erst Tage danach.“

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