Seine Welt ist eine Illusion

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Gerhard Stief führt seine Spirale vor.

Frankfurt – Er ist Frankfurts Illusionist. Aber nicht, weil Gerhard Stief zaubern kann wie David Copperfield, sondern weil er in seinem Explora-Museum am Glauburg-Platz so viele Illusionsmaschinen angesammelt hat, dass der Rundgang durch sein Reich die Besucher staunen lässt. Von Christian Reinartz und Christina Jahnke

Lebensgroß ist er, der Clownskopf, der im Frankfurter Explora-Museum aus der Wand herauszuragen scheint. Betrachtet in der Besucher von vorn, kann er jede Hautpore, jede Wimper genau erkennen. Schaut man aus einem anderen Blickwinkel ist der Kopf verschwunden, will man ihn anfassen, greift man in gruselige Leere. Der Clown ist eine Holographie. Dieses Kunstwerk ist deshalb so unheimlich, weil es dem Besucher eine Realität vorgaukelt, die es gar nicht gibt. Und gerade deshalb ist es so spannend. „Die Besucher bewegen sich und stellen auf diese Weise Verbindung zum Objekt her“, sagt Gerhard Stief.

Er selbst ist der größte Fan seiner Illusionen. „Ich freue mich immer wieder an den ganzen Maschinen, die ich da zusammengesammelt habe“, sagt Stief. Damit er nach so vielen Jahren immer noch eine solche Begeisterung für seine optischen Spielereien aufbringen kann, erlegt er sich selbst ein Verbot auf. „Ich besuche Abteilungen immer eine ganze Woche nicht“, verrät Stief: „Wenn ich dann wieder hineingehe, entdecke ich sie immer wieder neu. Und so vergeht die Begeisterung nie.“

Seine große Leidenschaft sind die Stereophotographien und Holographien. Diese sind aber nur ein Teil der großen Explora-Ausstellung im alten Glauburg-Bunker am Glauburg-Platz im Frankfurter Nordend. Zu sehen sind auch Anaglyphen, Bilder die nur räumlich erscheinen, wenn der Betrachter die Rot-Grün-Brille aufsetzt, die alle Besucher an der Museumskasse erhalten: Da erscheint plötzlich ein überdimensional großes Insekt ganz real oder man sieht Alice im Wunderland, die traurig in einer Ecke kauert. Durch die Brille wirkt das verschüchterte Mädchen so lebensecht hilflos, dass man ihm die Hand reichen will.

Dazu gibt es viele Exponate, bei denen der Besucher mitmachen muss, damit sie funktionieren: Wie etwa die Plateau‘sche Spirale, eine optische Rotationsillusion, die erst angekurbelt werden muss, bevor sie ihren verblüffenden, verzerrenden Effekt offenbart. Gerhard Stief sprüht nur so vor Ideen. Seine Suche nach neuen Illusionen, um sein Museum zu erweitern, endet offenbar nie. Gerade jetzt baut er wieder an vier neuen Maschinen, die im Museum bald bewundert werden können. Darunter auch eine Binäre Aditionsmaschine und eine vertikale Windkraftanlage. Stief: „Schließlich will ich ja, dass die Gäste auch wiederkommen und dabei was Neues entdecken.

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