Sein Hobby ist eine zu große Schule

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Norbert Wied studiert ein Schriftstück zum Schulgebäude von Bergen-Enkheim. Der Hobby-Historiker will herausfinden, warum das Gebäude so überdiemensional geplant wurde.

Bergen-Enkheim – Seit einem Jahr sitzt er daran. Ein Jahr wird es wohl noch dauern, bis sein Buch über die Schulgebäude Bergen-Enkheims fertig ist. Aber eine Antwort auf seine Ausgangsfrage hat Norbert Wied trotz allen Fleißes noch nicht gefunden: „Ich möchte wissen, warum dieses Gebäude so riesig geworden ist.“ Von Enrico Sauda

Dieses Gebäude“, damit meint der 60-jährige Bankangestellte der in Bergen-Enkheim lebt, seitdem er zehn Monate alt ist, die neue Schule der Gemeinde Bergen – Baujahr 1844. Heute sitzt dort die Verwaltung. Für ihn wirkt dieses Haus, das so groß ist und aus Stein, wie ein Dom im Dorf. „Bergen war damals ein kleiner Ort mit vielen Fachwerkhäusern, und dann dieses steinerne Gebäude, das acht Klassenzimmer hat“, wundert sich Wied.

Bei seinen Nachforschungen stieß er darauf, dass es die evangelische Kirche gewesen war, die das Haus baute, „ich kann leider immer noch nicht einschätzen, mit welchem Weitblick sie damals zu Werke gegangen sind“. Das zweistöckige, klassizistisch beeinflusste Haus mit großem Schulhof lasse auch heute noch ahnen, „wie die damalige Moderne in der Umgebung wesentlich älterer Fachwerkbauten diesen Hausbau zum besonderen Ereignis machte“, führt Wied aus, der in Bergen-Enkheim im Vorstand der evangelischen Kirche sitzt.

Dass die Bauherren damals mit Weitblick agierten, „zeigt sich auch daran, dass dieses Gebäude bis 1957 für schulische Zwecke genutzt wurde“. Heute hat das Bürgeramt dort seinen Sitz. Beim Bau des Schulgebäudes hatte die damalige Landgemeinde Bergen ungefähr 3400 Einwohner. Im Bericht des evangelischen Pfarrers Kochendörfer von 1848, der zugleich Oberschulinspektor war, wird erwähnt, dass in der neuen Schule nun 235 Kinder unterrichtet werden. „Nach einem weiteren Umbau wurden hier die Klassen fünf bis acht unterrichtet“, sagt Wied.

Noch sind seine Untersuchungen zum Bau lange nicht abgeschlossen. „Ich habe unter anderem die Akten über den Beschluss des Schulbaus noch nicht gefunden.“ Unklar ist Wied zudem noch, „inwieweit die Gemeindeverwaltung als politische Gemeinde am Bau der evangelischen Schule beteiligt war oder diesen beeinflussen konnte“. Des Weiteren seien noch die Fragen der Finanzierung offen, „weil die Gemeinde Bergen ein Dorf mit überwiegend ländlicher Bevölkerung war“. Wied hofft, Einblick in die Kirchenakten zu erhalten, wovon er sich mehr Klarheit verspricht. Es wartet also noch sehr viel Arbeit auf den engagierten Mann, dessen Erstlingswerk gut 100 Seiten umfassen soll. „Geschichte war mein Lieblingsfach und es erfüllt mich, jetzt das Projekt über die Geschichte der Gebäudes, zu bearbeiten“, sagt er.

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