EXTRA TIPP darf ins Archiv

Ein Stück Weltgeschichte ruht heute in Seligenstadt

+
Herbert Heyne zeichnet den „Wetterhugo“.

Seligenstadt – Er hatte eine unbändige Fantasie, die ihn über Jahre hinweg Tag für Tag neue Karikaturen zum aktuellen Weltgeschehen erschaffen lies: Der Karikaturist Herbert Heyne aus Seligenstadt. Jetzt öffnet sein Sohn das Archiv für den EXTRA TIPP. Von Dana Moser

Krisenherde gab es damals wie heute.

Sein Leben war nicht immer einfach. Herbert Heyne wird am siebten April 1913 als Kind einer Einsenbahner-Familie geboren. Seine Kindheit erlebte er während des Ersten Weltkrieges. Im Zweiten Weltkrieg wurde er in Kriegsgefangenschaft genommen. Er hat viel durchleben müssen und trotz allem nie seine atemberaubende Kreativität und seinen köstlichen Humor verloren. Heyne machte zunächst eine Ausbildung zum Musterzeichner. Aber schnell war klar: Regeln sind nichts für ihn. Und so fängt er an, Kinoplakate zu zeichnen, aber auch Karikaturen für die tägliche Presse – über das politische Geschehen in Deutschland, England und der ganzen Welt. Die Verleger der damaligen Zeitungen erkennen sein Talent schnell. Nicht nur im damaligen Frankfurter Boulevard-Blatt „Abendpost“ (später „Abendpost Nachtausgabe“) erscheinen seine Werke. Auch große Namen wie die „The Times“ in London veröffentlichen seine Zeichnungen. Heyne zeichnet Tag für Tag das politische Weltgeschehen. Kritisch und kreativ verarbeitet er auf seine Art und Weise den kalten Krieg.

Sohn bewahrt alles auf

Hier müsste „EG“ heute durch „EU“ ersetzt werden.

Der bekannte Schriftsteller Thaddäus Troll schreibt einmal über Heyne: „Im Gegensatz zu dem Maler, der einst zu unserem Unglück beschlossen hatte, Politiker zu werden, ist er ein Politiker, der zu unserem Glück beschlossen hat, Maler zu werden. Er hat ein waches Auge und ein hellhöriges Ohr für Phrasendrescher, Kraftmeier, Interessenvertreter, Hurrapatrioten, Bilderstürmer und Gesangbuchakrobaten.“ An einem Samstag im Januar 1983 stirbt Herbert Heyne. Er schläft friedlich an seinem Zeichen-Tisch ein. Sein Sohn, Hans-Jürgen Heyne, bewahrt das kulturelle Erbe seines Vater auf: In seinem Haus in Seligenstadt finden sich allerlei Zeichnungen, Karikaturen und Gemälde. Blättert man sie durch, stellt man schnell fest, dass viele von Heynes Karikaturen aus den 70er- und 80er-Jahren auch heute noch so oder ziemlich ähnlich in den Tageszeitungen gedruckt werden könnten.

Besser schreiben als zeichnen

Auch Heynes Sohn ist politisch interessiert. Schließlich hatte er von Kindesbeinen an mit dem Weltgeschehen zu tun. Hans-Jürgen Heynes Leidenschaft ist aber das schreiben: Ihm liegen politische Texte einfach mehr als politische Bilder. Und so verteilt er immer mal wieder seine „gelben Zettel“ an die Nachbarn in Seligenstadt. Mit diesen kritischen Texten will er die Menschen hier zum Nachdenken anregen. Doch eines darf auch auf seinen heutigen Flugblättern nicht fehlen: Eine Karikatur seines Vaters – Jahrzehnte alt und trotzdem aktuell.

Kommentare