Zwei Polizisten angefahren

Selbsternannter Graf Koks hat in Dieburg Vorfahrt

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Ein idyllischer Ort ist der Kirchplatz – normalerweise. Dort hat Gerhard S. zwei Polizisten angefahren.

Dieburg – Vorsicht wenn Graf Koks um die Ecke kommt. Vor allem, wenn man gerade in Dieburg auf dem schmalen Verbindungsweg zwischen Pfarrgasse und Steinstraße steht und Gerhard S. , der selbsternannte Graf Koks, mit seinem Auto in diesem Augenblick dort entlangbraust. Von Dirk Beutel

Er hat nämlich extra eine Durchfahrt-Sondergenehmigung und das seit 20 Jahren. Da spielt es keine Rolle, wer sich ihm in den Weg stellt. Noch nicht einmal, wenn es sich um Polizisten handelt, die gerade einen Straftäter festnehmen wollen.

Vorfall wird vor Gericht verhandelt

Was wie eine Posse klingt, ist tatsächlich passiert und wurde am Montag im Amtsgericht Dieburg verhandelt. Gerhard S. bestreitet alle Vorwürfe und fühlt sich sogar als Opfer. Rückblick: Am 6. September 2012 fährt S. mit seinem Corsa im Schritttempo rückwärts durch die enge Gasse. Dass da nun gerade Polizisten im Einsatz sind und einen Straftäter wegen eines Betäubungsmitteldeliktes festnehmen, scheint ihn wenig zu interessieren. Er hupt und rollt weiter auf die Ermittler zu. Zwei der Polizisten werden derart überrascht, dass sie vom Auto gestreift werden und zur Seite hechten müssen, damit sie nicht überfahren werden.

Erst als Polizist auf den Wagen haut, hält er an

Erst als einer der Polizisten auf den Wagen haut, hält der 72-Jährige an und schimpft auf die Männer. Aus gutem Grund. Er sei Graf Koks und habe das Recht dort entlang zu fahren, also müssten die Polizisten gefälligst aus dem Weg gehen. Jeder müsse ihm Platz machen: „Und wenn der Papst da stehen würde, darf ich fahren, ich habe eine Erlaubnis und Sie haben da nichts zu suchen.“ Als es zur Personenkontrolle kommt, schießt der Dieburger den Vogel ab und beleidigt die Beamten: „Ihr seid doch keine Polizisten, sondern Deppen.“

Gerhard S. will in Berufung gehen

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Vor dem Dieburger Amtsgericht bestreitet Gerhard S. die Vorwürfe. Alles nichts weiter als eine erfundene Geschichte. Es wäre gar nicht so eng an besagter Stelle gewesen. Außerdem hätten die Personen an einer Mauer gestanden und er wäre an ihnen vorbeigekommen. Und an die Hupe sei er nur versehentlich gekommen.

Das Ende vom Lied: Graf Koks wurde von Richter Julian Kasper wegen Beleidigung, Nötigung und versuchter Körperverletzung zu einer Geldstrafe von 80 Tagessätzen je 15 Euro verurteilt. Und seinen Führerschein ist er für sechs Monate auch los. Wenn er ihn wiederhaben will, muss er erst die medizinisch-psychologische Untersuchung bestehen. Da hilft es ihm auch wenig, dass er nach eigenen Angaben seit 50 Jahren unfallfrei ist. Auf jeden Fall will S. in Berufung gehen und das Urteil anfechten.

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