Seit dem 13. Jahrhundert in Sachenhausen:

Hier steht das älteste Fachwerkhaus Frankfurts

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Ulrich Klein illustrierte seinen Vortrag mit vielen Abbildungen – hier ein historisches Foto von der Schellgasse 8.

Frankfurt – Das älteste Fachwerkhaus Frankfurts steht seit dem 13. Jahrhundert in der Schellgasse in Sachenhausen. Entdecker Ulrich Klein stieß auf das historische Haus auf einer Baustelle. 

Es war für Ulrich Klein an jenem kalten, nebligen Novembertag des Jahres 1984 wie ein Wunder, als er vor dem Haus in der Schellgasse 8 in Sachsenhausen stand: „Mitten in der Großstadt, auf einer Baustelle, stieß ich auf ein Fachwerkhaus aus dem 13. Jahrhundert! Unglaublich!“, erinnerte sich der Bauhistoriker.

In seinem Vortrag im Holzhausenschlösschen, veranstaltet von der Bürgerstiftung in Kooperation mit den Freunden Frankfurts, ging er auf Details seiner Forschungen ein. Frank Albrecht, Erster Vorsitzender des Vereins Freunde Frankfurts, begrüßte die Gäste: „Leider können wir in unserer Geschäftsstelle in der Schellgasse 8 aufgrund der baulichen Gegebenheiten keine Vorträge anbieten. Wir freuen uns deshalb über die Zusammenarbeit mit der Frankfurter Bürgerstiftung im Holzhausenschlösschen.“

Ulrich Klein informierte zunächst über die Geschichte des Hauses Schellgasse 8. „Vor dem Krieg war die Gegend am Südufer des Mains dicht bebaut, das zeigt ein Stadtplan aus dem Jahr 1875.“ Ein Ausschnitt aus dem Plan verdeutlichte seine Feststellung. Kompliziert war die Situation, da die Schellgasse wie ein „U“ zur Dreikönigsstraße lag und zwei Abschnitte aufwies. Ursprünglich gehörten die Häuser Schellgasse 8 und 10 zusammen, erst im 18. Jahrhundert erfolgte die Trennung. Dahinter stand eine Ölmühle, die 1975 verschwand. Die Nummer 10 war bereits 1935 abgerissen worden.

1970 bereits entdeckt, aber Interesse gering

„Manfred Gerner, Mitarbeiter des Referats Denkmalpflege, war in den 1970er Jahren auf das Haus aufmerksam geworden“, erwähnte Ulrich Klein. Leider sei das Interesse der Stadt an dem nachweislich 1291/92 erbauten Fachwerkgebäude gering gewesen. Bis 1978 war das Haus bewohnt, 1979 kaufte es ein Sachsenhäuser Gastronom, sanierte ohne Baugenehmigung und reduzierte so die ursprüngliche Substanz um 30 Prozent.

„Das glich einer Amputation“, empörte sich Klein. Das Denkmalamt verhängte einen Baustopp, stellte das Haus 1980 unter Denkmalschutz. „Damit kam es zu einer schwierigen Situation“, urteilte der Experte. „Zunächst wollte die Stadt das Haus in den 1974 gegründeten Hessenpark versetzen. Doch so wäre sein Denkmalstatus aufgehoben worden“, erklärte der Bauhistoriker. Schließlich kaufte 1986 die Aufbau AG das Haus für 125.000 Deutsche Mark und ließ es sanieren, sie errichtete ja gerade im Umfeld ein neues Quartier.

Mit Hilfe der Dendrochronologie, der Altersbestimmung am Bauholz, war es möglich, genau zu ermitteln, wann das Fachwerkhauses errichtet und verändert wurde. Ursprünglich hatte es als Scheune gedient. „Damals erlebte die Landwirtschaft einen Aufschwung, das Heu musste gelagert werden“, erläuterte Klein. Um 1520 war das Haus unterkellert worden, wurde zum Wohnhaus. „Bei der Vorstellung, dass in den zwei schmalen Stuben acht bis zehn Menschen lebten, hört jedoch die Romantik auf“, scherzte Ulrich Klein.

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