Seine Dose kann Leben retten

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Zwei Flammen und viel Brennmaterial: Mit dem Löschschaum auf Peter Holzamers Dose lassen sich kleinere Brände nicht nur in der Weihnachtszeit in der Entstehung löschen.

Frankfurt – Brennende Kerzen und leuchtende Lichterketten: Was die Weihnachtszeit heimelig macht, birgt aber auch Gefahren. Dass die Adventszeit nicht in der Flammenhölle endet, dafür soll die Erfindung von Peter Holzamer sorgen. Von Andreas Einbock

Durchschnittlich sterben jedes Jahr zwölf Menschen in der Weihnachtszeit. Zudem kommt es laut Versicherungsindustrie jährlich zu 14.000 zusätzlichen Brandschäden im Dezember. „Und das nur, weil die Leute keinen Feuerlöscher haben“, sagt Peter Holzamer. Der Langener hat eine weltweit einzigartige Spraydose entwickelt, die mit der doppelten Wandstärke einer gewöhnlichen Dose Druck von über 40 bar standhält.

Noch bis 2005 hatte der gelernte Lederwarengestalter keine Ahnung von den roten Metallflaschen, die oft groß, schwer, unhandlich und kompliziert zu bedienen sind. Genau diese Eigenschaften waren für Holzamer der Auslöser seiner Überlegungen. „Wie müsste man so ein Ding gestalten, damit die Leute sich so einen Lebensretter einfach zu Hause hinstellen können“, erinnert er sich an die gemütlich Weinrunde mit seinen Freunden im heimischen Garten. Schließlich stünden nur in zwei von einhundert Haushalten ein Feuerlöscher, 70 Prozent seien davon nicht gewartet und in den anderen Fälle könnten ihn die Leute nicht bedienen.

Holzamer macht die Dose besser

Feuerlöschspray im Einsatz: Peter Holzamer löscht eine brennende Puppe.

Ganz neu war seine Idee nicht. Baumärkte boten bereits Löschmittel in Dosenform an. „Doch die Dosen löschten grottenschlecht. Deren schlechtes Vorbild machte uns noch heute manchmal das Leben schwer“, sagt der Tüftler. Dessen Eigenentwicklung unterscheidet sich von den Vorgängern in drei wesentlichen Punkten. „Der Dosenkörper brauchte einen stabileren Rollrand, um mehr Druck standzuhalten. Für den Sprühaufsatz mussten wir einen besseren Tropfenkegel entwickeln. Und beim Löschmittel brauchten wir effektiveres Material“, sagt Holzamer, der inzwischen Geschäftsführer von Prymos ist.
Doch so leicht wie es heute klingt, war der Start für ihn nicht. Trotz Prüf- und Qualitätssiegel der MPA und vom TÜV scheiterte sein erster Geschäftsversuch 2007. „Unser damaliger Lieferant in Spanien hatte nachweislich einige Dose mangelhaft geliefert“, erinnert sich Holzamer. 285 der Aluminiumwände platzten, die restlichen 250.000 Dosen musste er zurückrufen. „Für einen Prozess hätte ich mehrere hundert tausende Euro gebraucht. Da wollte ich eigentlich alle Brocken hinwerfen“, so Holzamer. Nur die Rückhalt von Fachleuten und Feuerwehrmänner bewog ihn zum Weitermachen.

Sich die Brandgefahr bewusst machen

Mittlerweile hat er seine Dose weiterentwickelt und lässt sie im sächsischen Chemnitz produzieren. Die Wurfweite liegt bei vier Metern, die Haltbarkeit bei drei Jahren. Abhängig vom Brennmaterial hat Holzamer vier verschiedene Versionen für „Küche und Gastro“, „Haus und Büro“, „Auto und Bike“ und „Universal“ entwickelt, die er seit Juni vertreibt und die zwischen 30 und 40 Euro kosten. Und der Erfolg gibt ihm Recht: Sechs feste und vier freie Mitarbeiter hat er derzeit angestellt. 230.00 Stück stehen inzwischen in Privathaushalten und sind sogar bei der hessischen Polizei im Einsatz. Auch bei der Frankfurter Feuerwehr schätzt man die schnelle Hilfe aus der Dose. „Wir haben in der Weihnachtszeit etwa 60 Einsätze nur wegen brennender Adventsgestecke. Wenn durch das Löschspray das Bewusstsein für die Feuergefahr geschärft wird, gibt‘s dagegen nichts einzuwenden“, sagt Nikolaus Meyer von der Branddirektion Frankfurt. Sich bewusst die Gefahr machen.

Für Holzamer könnte sich seine Erfindung bald noch mehr lohnen. Denn in vielen Bundesländern wird nach der gesetzlichen Pflicht zu Brandmeldern auch über eine Vorschrift für Feuerlöscher nachgedacht.

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