„Prinz“ Sebastian Krumbiegel über Pegida und Co

„Viele Ostdeutsche waren doch Wirtschaftsflüchtlinge“

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Sebastian Krumbiegel ist Sänger der sächsischen Band „Die Prinzen“.
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Sebastian Krumbiegel von den Prinzen nimmt kein Blatt vor den Mund. Vor allem wenn es um gesellschaftskritische Themen geht, ist der Leipziger schonungslos offen und er verrät, welche Musik er privat hört. Von Oliver Haas

Die Prinzen feiern „Silberhochzeit“. Was ist Euer Geheimrezept für 25 Jahre erfolgreiche Zusammenarbeit?

Wir machen das, was wir gut finden, und lassen uns nicht so viel reinreden. Natürlich brauchst du Partner, die einem mal einen guten Tipp geben und man muss aufpassen, dass man nicht in der eigenen Suppe ertrinkt. Trotzdem ist es wichtig, dass man das tut, was man für richtig hält. Dann ist das dein Ding. Die Prinzen gibt es nur einmal. Es ist ein Haltung, die wir transportieren. Unsere Musik hat eine Menge mit Inhalt zu tut. Einerseits musikalisch, aber auch textlich.

Als Mitbegründer des Leipziger Courage-Vereins engagieren sie sich aktiv gegen den Pegida-Ableger „Legida“. Was würden Sie jemandem sagen, der von sich behauptet, dass er keinesfalls rechtsradikal ist, aber bei Pegida trotzdem regelmäßig mitmarschiert?

Die Prinzen aus Leipzig gehören mit knapp fünf Millionen verkauften Einheiten zu den erfolgreichsten deutschen Pop-Bands der vergangenen 25 Jahre. Im Mai diesen Jahres erschien ihr neues Werk „Familienalbum“. 2016 sind sie auf großer Deutschland-Tour. Am Freitag, 11. März sind sie in Frankfurt in der Jahrhunderthalle zu Gast.

Ich würde ihm zwar abnehmen, dass er nicht rechtsradikal und kein Rassist ist. Aber auch sagen, dass er den falschen Leuten hinterher rennt. Wenn man auf den Demos oder im Netz die Reden hört von Akif Pirinçci oder Björn Höcke, da muss man deutlich sagen: Das sind Sprüche, die ganz klar am rechten Rand sind und die mit Menschlichkeit nicht viel zu tun haben. Es ist natürlich schwierig und falsch zehntausende Menschen als Nazis zu bezeichnen, die auf die Straßen gehen. Aber man muss den Leuten sagen: Ihr reflektiert das falsch. Gerade wir als Ostdeutsche sollten anders darüber denken. Was war denn vor 25 Jahren? Ich wundere mich, wenn heute das Wort Wirtschaftsflüchtling genannt wird. Die Leute, die damals aus dem Osten weg sind, waren doch zum größten Teil Wirtschaftsflüchtlinge. Die wollten, dass es ihren Familien besser geht. Und da war der Leidensdruck noch lange nicht so groß, wie von Flüchtlingen, die heute unterwegs sind.

Gerade im Osten Deutschlands ist der Zulauf für Pegida und rechtsradikale Parteien hoch. Wieso?

Das hat verschiedene Gründe. Im Gegensatz zu vielen Städten im Westen oder auch Westberlin, haben wir im Osten weniger Erfahrung mit Ausländern. Der Ausländeranteil im Osten liegt bei drei Prozent. Ein weiterer Grund ist, dass vor allem die sächsische Landespolitik falsch mit diesen ganzen Sachen umgeht. Ich war oft am 13. Februar in Dresden, dem Jahrestag der Bombardierung, wo teilweise die größten Naziaufmärsche in ganz Europa stattfanden. Und wenn dann die sächsische Politik, Justiz und Polizei eher die Leute kriminalisiert, die sich friedlich dagegen stellen, dann ist das ein falsches Zeichen. Deswegen glaube ich, dass dadurch vielen Leuten eine Hemmschwelle genommen wird.

Zurück zu einem erfreulicherem Thema. Euer neues Werk „Familienalbum“ enthält nur deutsche Texte. Englischsprachige gibt es nach wie vor nicht. Warum?

Als wir anfingen, haben wir viele Songs der Beatles, der Stones und diese ganzen 60er-Jahre-Sachen nachgespielt. Aber wir haben nie selbst englische Songs geschrieben. Ich denke, dass es das authentischste ist, wenn du in der Sprache singst, in der du denkst und träumst.

Was spielt der MP3 Player von Sebastian Krumbiegel?

Das sind sehr unterschiedliche Sachen. Ich bin mit Bach und mit viel klassischer Musik groß geworden. Aber das Verdi Requiem war zum Beispiel eine große Bildungslücke von mir. Das kannte ich gar nicht. Ich habe mir das jetzt runter geladen und höre das derzeit in Dauerschleife. Aber ich bin auch sehr daran interessiert über das, was um uns herum abgeht. Durch ein DVD-Veröffentlichung habe ich kürzlich wieder Rammstein für mich entdeckt. Ich bin ein großer Fan dieser Band. Britpop mag ich gerne. Ich finde das neue Blur-Album großartig. Wanda aus Österreich ist ganz toll. Aber um den Kreis zu schließen: Ich unterscheide weniger zwischen sogenannter ernster und Unterhaltungs-Musik. Die Unterscheidung ist doch Quatsch. Es gibt gute und schlechte Musik. Es gibt Musik, die meinen Geschmack trifft oder eben nicht. Ich bin weniger der Freund von volkstümlicher Musik oder von Operetten. Aber ansonsten bin ich für vieles offen.

Die Prinzen hatten Hits, die fast jeder mitsingen kann. „Millionär“, „Alles nur geklaut“ oder „Küssen verboten“ um nur drei davon zu nennen. Mal ehrlich: Gibt es Lieder von Euch, die ihr nicht mehr hören könnt und nicht mehr spielt?

Nein. Wir sollten doch froh sein, dass wir diese Hits haben. Und wenn du das im Konzert anfängst, die Hände gehen hoch und die Leute freuen sich und gehen mit, dann ist das doch wunderbar. Wichtig ist, dass man manchmal das Gewand eines Liedes ändert. Das machen wir sehr bewusst. Wir haben gerade im Sommer vergangenen Jahres eine DVD mit drei Konzerten in der Oper mit großen Orchester und Chor in Leipzig aufgenommen. Das war ein wahnsinniges Highlight. Bei der Musik geht es darum, dass man sich den Spaß daran bewahren sollte. Deshalb sollte man sich nicht über ältere Hits ärgern, sondern sich darüber freuen. Es ist doch ein Geschenk, wenn man als Musiker Songs hat, die jeder kennt. Wenn wir diese Hits wegschmeißen würden, dann wäre dies eine Überheblichkeit, die völlig daneben wäre.

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Oliver Haas

Oliver Haas

E-Mail:oliver.haas@extratipp.com

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