Schwitzen bis der Arzt kommt

Produziert der Körper aber krankhaft übermäßigen Schweiß (Foto), spricht man von Hyperhidrose. "In extremen Ausprägungen ist das dann wie bei einem Wasserhahn. Die Betroffenen sind ordentlich gehandicapt", sagt der Dreieicher Mediziner Dr. Roger Jung.

Der Schweiß tritt in großen Tropfen aus, die Kleidung ist in kürzester Zeit durchnässt. Eine psychische Belastung für die Betroffenen. Zuspruch finden sie in Internetforen, wie bei    www.hyperhidrosehilfe.de. Viele tragen nur weite schwarze Kleidung und versuchen den Schweiß mit Taschentüchern oder Damenbinden aufzusaugen.Die meisten bemühen sich, jeglichen Körperkontakt mit anderen Menschen zu vermeiden und ziehen sich immer mehr von Freunden oder Arbeitskollegen zurück. Da herkömmliche Deos in solchen Fällen kaum Abhilfe schaffen, gibt es in der Apotheke spezielle Präparate. Diese wirken dadurch, dass sie die Schweißdrüsen verstopfen, was aber auch Nebenwirkungen haben kann. Nach Auskunft der Techniker Krankenkasse können auch der Verzicht auf Alkohol, Kaffee und scharfe Speisen, Entspannungsübungen, Gewichtsreduktion sowie eine spezielle Strom-Therapie das Problem mindern.Wem das alles nichts hilft, dem bleibt nur der Gang zum Schönheitschirurgen: Durch Botox, das besser aus der Faltenbehandlung bekannt ist, können Schweißdrüsen bis zu acht Monate außer Funktion gesetzt werden. Ein radikalerer Schritt ist die operative Entfernung der Schweißdrüsen. Dabei werden sie von der Unterseite der Haut abgeschabt. "Man muss sich aber bewusst sein, dass ein solcher Eingriff viele Risiken birgt", mahnt Jung. Der Chirurg empfiehlt daher die Botoxbehandlung. Bei einer OP kann es unter anderem zu Infektionen, Einblutungen, oder Abszessen kommen. Dahingehend seien laut dem Mediziner die Risiken bei der Botoxbehandlung nur gering, etwa so wie bei einer Impfung. "Man muss sich aber bewusst sein, dass die Behandlung regelmäßig wiederholt werden muss."Die Kosten einer Behandlung liegen zwischen 580 und 650 Euro. Eine operative Entfernung der Schweißdrüsen kostet rund 16.000 Euro. Die Krankenkassen zahlen nur, wenn eine medizinische Notwendigkeit besteht. Eine Entfernung wird aber nur in den seltensten Fällen genehmigt. Bei Botox hat man bessere Chancen.

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